Studie: Jungen haben deutlich geringere Gymnasialchancen als Mädchen
Jungen seltener auf Gymnasium: Ifo-Studie belegt Geschlechterunterschied

Jungen besuchen in Deutschland deutlich seltener ein Gymnasium als Mädchen. Das geht aus dem neuen Chancenmonitor des Ifo Instituts hervor, der in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Ein Herz für Kinder“ erstellt wurde. Im Durchschnitt lag der Anteil der Gymnasiasten bei 40,1 Prozent, bei Jungen jedoch nur bei 36,9 Prozent, während Mädchen mit 43,5 Prozent deutlich über dem Durchschnitt lagen. „Jungen haben also deutlich geringere Bildungschancen als Mädchen“, fassen die Forscher zusammen.

Datenbasis und Methodik

Für die Studie werteten die Wissenschaftler Daten von knapp 68.000 Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren aus dem Mikrozensus 2022 aus. Berücksichtigt wurden der Bildungsstand der Eltern, das Haushaltseinkommen, der Migrationshintergrund sowie die Frage, ob ein Elternteil alleinerziehend ist. Bereits 2023 hatte das Ifo Institut eine ähnliche Studie auf Basis von Daten aus 2019 veröffentlicht.

Bildungschancen stark vom Elternhaus abhängig

Die damalige Erkenntnis, dass Kinder aus wohlhabenden Akademikerfamilien weitaus häufiger ein Gymnasium besuchen, hat sich bestätigt. Bei Kindern von Eltern ohne Abitur und mit einem Haushaltseinkommen von unter 2.750 Euro netto liegt die Wahrscheinlichkeit, auf ein Gymnasium zu gehen, bei lediglich 16,9 Prozent. Demgegenüber besuchen 80,3 Prozent der Kinder ein Gymnasium, wenn beide Eltern Abitur haben, sie ihr Kind gemeinsam erziehen und zusammen über mehr als 6.000 Euro netto verfügen. „Insofern lässt sich generell feststellen, dass sich die Ungleichheit der Bildungschancen in Deutschland über die drei Jahre weiter verfestigt hat“, heißt es in der Studie.

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Geschlechterunterschiede im Fokus

Ein besonderes Augenmerk legten die Forscher in diesem Jahr auf den sogenannten Gendergap. Der Rückstand von Jungen bei der Schulbildung zieht sich durch alle sozialen Schichten, erklärte Ifo-Forscherin Vera Freundl. Er verstärke sich im Verlauf der Schulzeit und betrage im Alter von 16 bis 18 Jahren sogar 9,6 Prozentpunkte. Um Jungen besser zu fördern, empfiehlt die Studie unter anderem mehr männliche Erzieher in Kitas und Grundschulen. Wichtig sei auch, „Geschlechterstereotypen“ zu überwinden, also etwa die Annahme, dass Lesen „Mädchensache“ sei.

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