Der neue „Chancenmonitor“ des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung und der BILD-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ offenbart alarmierende Bildungsunterschiede in Deutschland. Die am Dienstag in Berlin vorgestellte Studie zeigt: Jungen sind die großen Verlierer im deutschen Schulsystem. Während 43,5 Prozent der Mädchen ein Gymnasium besuchen, sind es bei Jungen nur 36,9 Prozent – ein Unterschied von 6,6 Prozentpunkten, der sich durch alle sozialen Schichten zieht.
Soziale Herkunft bestimmt Bildungschancen
Die Studie belegt zudem, dass der Bildungserfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängt. Kinder aus einkommensschwachen Familien haben deutlich geringere Chancen auf eine Gymnasialempfehlung. Konkret: Nur 16,9 Prozent der Kinder aus Haushalten mit einem monatlichen Einkommen unter 2750 Euro besuchen ein Gymnasium. Bei Kindern aus Familien mit einem Einkommen über 6000 Euro sind es dagegen über 80 Prozent. Diese Kluft ist in den letzten Jahren sogar noch größer geworden.
Bildungsniveau der Eltern als Schlüsselfaktor
Neben dem Einkommen ist der zweite entscheidende Faktor das Bildungsniveau der Eltern. Wenn beide Elternteile Abitur haben, liegt die Wahrscheinlichkeit eines Gymnasiumsbesuchs bei 63,6 Prozent. Bei Kindern von Eltern ohne Abitur sinkt dieser Wert auf 23,8 Prozent. Auch der Migrationshintergrund spielt eine Rolle, fällt aber laut Studie etwas geringer aus als Einkommen und Bildung der Eltern. Kinder ohne Migrationshintergrund besuchen zu 42,8 Prozent ein Gymnasium, Kinder mit Migrationshintergrund nur zu 35,9 Prozent. Besonders benachteiligt sind Kinder von Alleinerziehenden: Nur 35,9 Prozent von ihnen schaffen den Sprung aufs Gymnasium.
Jungen besonders benachteiligt
Die Studie zeigt eine harte Wahrheit: Jungen sind in allen sozialen Schichten die Bildungsverlierer. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) räumte bei der Vorstellung der Studie ein: „Die Jungs haben wir aus dem Blick verloren. Das hatten wir bisher in Deutschland nicht genügend auf dem Radar. Die Daten haben wir eigentlich schon eine geraume Zeit, aber wir haben sie nicht politisch genutzt.“
Forderungen der Forscher
Als Konsequenz fordern die Wissenschaftler des ifo Instituts konkrete Maßnahmen. Dazu gehören der Ausbau der Frühförderung für benachteiligte Kinder, flächendeckende kostenlose Nachhilfe und der gezielte Einsatz der besten Lehrer an Problemschulen. Zudem plädieren sie für eine spätere Aufteilung auf weiterführende Schulformen. Um den Bildungsrückstand von Jungen aufzuholen, empfehlen sie den Einsatz von mehr männlichen Lehrern und Erziehern in Grundschulen sowie eine gezielte Leseförderung von klein auf. „Ein Herz für Kinder“ setzt sich verstärkt für Chancengerechtigkeit ein und fördert nationale Bildungsprojekte.



