Kreistag der Mecklenburgischen Seenplatte fordert dauerhaften Erhalt von Förderschulen
Kreistag fordert dauerhaften Erhalt von Förderschulen

Kreistag der Mecklenburgischen Seenplatte fordert dauerhaften Erhalt von Förderschulen

In der Mecklenburgischen Seenplatte formiert sich deutlicher Widerstand gegen die vom Land Mecklenburg-Vorpommern geplante Schließung von Förderschulen bis zum Jahr 2035. Der Kreistag hat bei seiner jüngsten Sitzung in Neubrandenburg mit großer Mehrheit beschlossen, sich für den dauerhaften Erhalt dieser spezialisierten Bildungseinrichtungen einzusetzen. Landrat Thomas Müller (CDU) wurde beauftragt, diese Forderung gegenüber der Landesregierung mit Nachdruck zu vertreten.

Personalmangel als zentrales Argument

Hintergrund der kontroversen Diskussion ist die landesweite Strategie, Förderschulen im Bereich „Lernen“ schrittweise abzuschaffen und die betroffenen Kinder in spezielle Lerngruppen an Regel- und Regionalschulen zu integrieren. Die AfD-Fraktion argumentierte in ihrem Antrag mit einem gravierenden Mangel an Sonderpädagogen und Fachpersonal an den allgemeinbildenden Schulen. „Eine erfolgreiche Inklusion setzt ausreichende personelle, organisatorische und räumliche Voraussetzungen voraus, die derzeit flächendeckend nicht gegeben sind“, heißt es in der Begründung.

Enrico Schult (AfD), Kreistagsmitglied in der Mecklenburgischen Seenplatte, äußerte sich deutlich: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass man das, was funktioniert, nämlich Förderschulen, auflösen möchte.“ Er verwies auf die besonderen Vorteile der Förderschulen wie kleine Klassen, an Berufswünschen orientierten Unterricht und spezialisierte Sonderpädagogen – Ressourcen, die an Regionalschulen seiner Einschätzung nach nicht in gleichem Maße verfügbar seien.

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CDU fordert „Inklusion ohne Zwang und mit Augenmaß“

Die CDU-Fraktion schlug mit dem Slogan „Inklusion ohne Zwang und mit Augenmaß“ ein differenzierteres Modell vor. Sie plädiert für sogenannte „Inklusion rückwärts“ und fordert unter anderem:

  • Schulzentren mit integrierten Förderschulen
  • Lerngruppen für emotionale und soziale Entwicklung an jeder Grund- und Regionalschule
  • Umbau und Ausbau von Schulgebäuden für räumliche Möglichkeiten
  • „Poollösungen“ für Integrationshelfer, um mit möglichst wenig Personal möglichst vielen Kindern helfen zu können
  • Zusätzliche Förderlehrer an allen Schulen

Arno Süssig (CDU), selbst erfahrener Lehrer aus Malchin, berichtete von seinen praktischen Erfahrungen: „Wir haben dort sieben Jahre lang alles Mögliche versucht. Wenn es um Körperbehinderung geht – wunderbar, finde ich gut, wenn diese Kinder in normale Klassen integriert werden.“ Doch bei der gleichzeitigen Betreuung von normalen Schülern, hochbegabten Kindern, verhaltensauffälligen Jugendlichen und Schülern mit Lernbehinderung werde es für einzelne Lehrer „unzumutbar“.

Konkrete Forderungen an die Landesregierung

Der Kreistag fordert die Landesregierung auf, ihre Inklusionsstrategie grundlegend zu überarbeiten. Die im Schulgesetz verankerte Frist zur Aufhebung der Förderschulen müsse komplett gestrichen werden, bis flächendeckend die notwendigen baulichen und personellen Voraussetzungen geschaffen sind. Die Kommunalpolitiker betonen, dass eine Duldung auf Zeit – ursprünglich bis 2030 geplant, zuletzt bis 2035 verlängert – für sie keine akzeptable Option darstellt.

Von der Entscheidung betroffen sind mehrere Förderschulen in der Region, darunter:

  • Die Schule an den Tannen in Demmin
  • Die Lindenschule in Malchin
  • Förderzentren in Friedland, Waren und Neustrelitz
  • Die Pestalozzischule in Neubrandenburg
  • Die Lea Toll-Schule in Altentreptow

Breite politische Unterstützung

Die Anträge fanden im Kreistag breite Unterstützung. Der CDU-Antrag wurde mit 52 Stimmen bei nur einer Gegenstimme und sechs Enthaltungen beschlossen. Der AfD-Antrag erhielt 31 Ja-Stimmen, 16 Nein-Stimmen und 15 Enthaltungen. Diese deutlichen Mehrheiten zeigen, dass die Sorge um die Bildungsqualität für alle Schüler parteiübergreifend geteilt wird.

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Die Diskussion in der Mecklenburgischen Seenplatte spiegelt eine bundesweite Debatte wider, bei der das Spannungsfeld zwischen Inklusionsbestrebungen und praktischer Umsetzbarkeit im Fokus steht. Während das Land auf eine vollständige Integration setzt, verweisen die Kommunalpolitiker auf die realen Bedingungen vor Ort und fordern mehr Zeit und Ressourcen für einen behutsamen Übergang.