Kriminalkommissarin meistert Speaker Slam: Vom Polizeialltag zur inspirierenden Dozentin
Kriminalkommissarin meistert Speaker Slam in Dresden

Vom Polizeialltag zur Bühne: Eine Kriminalkommissarin findet ihre Stimme

Susanne Westphal eilt durch die Flure der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow. Ihr Ziel: der Weiterbildungskurs für Absolventen der Polizeiausbildung. Die erfahrene Kriminalkommissarin, die zwei Jahrzehnte lang im aktiven Dienst stand, unterrichtet heute Kriminalwissenschaften. „Es ist frustrierend, wenn Studenten im Unterricht mit dem Schlaf kämpfen“, gibt sie offen zu – ein Problem, das sie aus eigener Erfahrung kennt und nun entschlossen angeht.

Expertin für Internetkriminalität wechselt in die Lehre

Bevor Susanne Westphal den Schritt in die akademische Welt wagte, war sie als Spezialistin für Internetkriminalität tätig. Ihre Ermittlungen umfassten diverse Betrugsmaschen, vom klassischen Enkeltrick bis zu modernen Fake-Onlineshops. „Betrüger bauen täuschend echte Websites auf, um nicht existierende Waren zu verkaufen“, erklärt die Rostockerin. Unmittelbar vor ihrer Berufung leitete sie eine Ermittlungsgruppe, die sich mit dem Diebstahl von Werkzeugen und Baufahrzeugen befasste – ein Delikt, das laut ihren Beobachtungen zunimmt.

Anfängliche Ängste und harsche Kritik

Der Wechsel von der Praxis zur Lehre im September 2023 war keineswegs geplant. „Ich hätte mir die Lehre nicht ausgesucht“, gesteht Westphal. Als sie 2023 angefragt wurde, ob sie sich eine Tätigkeit als Dozentin für Kriminalistik und Kriminologie vorstellen könne, reagierte sie mit Skepsis. Beim internationalen Speaker Slam in Dresden im Januar schilderte sie dem Publikum ihre anfängliche Angst: „Nein, ich konnte mir das nicht vorstellen! Ich hatte Angst, vor vielen Leuten zu reden!“ Zudem war sie zwar Expertin in der praxisorientierten Kriminalistik, weniger jedoch in der theoretischen Kriminologie, die sich mit Ursachenforschung und Gesetzmäßigkeiten von Kriminalität befasst.

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Die ersten Monate als Dozentin waren geprägt von Nervosität und Unsicherheit. „Ich klebte an den Folien, las viel ab und war zu sehr mit meiner Wirkung beschäftigt“, erinnert sie sich. Anonyme Evaluationen der Studenten fielen verheerend aus: „Völlig ungeeignet. Liest nur ab. Total unmotiviert.“ Ihre Mentoren an der Fachhochschule rieten ihr, nicht aufzugeben, und bestärkten sie in ihrem Vorhaben, den Unterricht interessanter zu gestalten.

Persönliche Entwicklung und berufliche Weiterbildung

Entschlossen, ihre Lehrmethoden zu verbessern, begann Susanne Westphal, sich intensiv mit Persönlichkeitsentwicklung und innovativen Wissensvermittlungstechniken auseinanderzusetzen. „Ich möchte, dass meine Studenten die Inhalte mit Begeisterung aufnehmen, einfach weil es Spaß macht“, betont die Mutter dreier Töchter. Sie nimmt an einem berufsbegleitenden Qualifizierungsprogramm teil und plant, zusätzlich einen Masterabschluss zu erwerben. Ihre rhetorischen Fähigkeiten baute sie kontinuierlich aus, was im Januar in einem besonderen Höhepunkt gipfelte.

Der Speaker Slam als Wendepunkt

Im Rahmen eines Coaching-Programms trat Susanne Westphal beim internationalen Speaker Slam in Dresden auf – vor über 200 Zuschauern aus aller Welt. Ihre Teilnahme war nicht zufällig: Ihr Partner, Stephan Schmidt, ein Dachdecker aus Krakow am See, hatte im September 2025 den ersten Speaker Slam dieser Art gewonnen. In ihrer dreiminütigen Rede setzte sich die Kommissarin mit Rollenbildern, Masken, der Angst vor Kontrollverlust und der Frage auseinander, wie persönliche Entwicklung gelingen kann, ohne die eigene Identität zu verlieren.

„Nach dem Auftritt fühlte ich mich wie eine Moderatorin und Entertainerin“, berichtet Westphal. „Das Publikum spürt, ob man authentisch ist und für das brennt, was man sagt.“ Die Angst, vor vielen Menschen zu reden, teilte sie mit allen anderen Teilnehmern, doch auf der Bühne war davon nichts mehr zu spüren. Ihr Auftritt, der auf YouTube zu sehen ist, markierte einen entscheidenden Wendepunkt in ihrer Entwicklung als Dozentin.

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Heutiger Unterricht: Interaktiv und lebendig

Im aktuellen Weiterbildungskurs herrscht eine lockere und engagierte Atmosphäre. Susanne Westphal beginnt ihre Stunden mit persönlichen Gesprächen, etwa zum Thema Fasching, und lockert den Unterricht mit interessanten Funfacts auf. Sie lehrt interaktiv, vermeidet lange Monologe und geht aufmerksam auf ihre Studenten ein. „Ich will die coolste Dozentin werden, die in mir steckt“, erklärt sie. Die Ergebnisse sind sichtbar: Die Teilnehmer sind aufmerksam, niemand kämpft mit der Müdigkeit. Susanne Westphal hat nicht nur ihre Ängste überwunden, sondern auch eine lebendige und inspirierende Lehrweise entwickelt, die ihre Studenten begeistert.