Sachsen-Anhalts Bildungsminister appelliert: Lehrer sollen freiwillig weiter Mehrarbeit leisten
Lehrer in Sachsen-Anhalt: Appell zu freiwilliger Mehrarbeit

Sachsen-Anhalts Bildungsminister appelliert: Lehrer sollen freiwillig weiter Mehrarbeit leisten

Die Personalsituation an den Schulen Sachsen-Anhalts bleibt trotz rückläufiger Geburtenzahlen weiterhin angespannt. Bildungsminister Jan Riedel von der CDU hat sich nun mit einem dringenden Appell an die Lehrkräfte des Landes gewandt. Er bittet sie, auch im kommenden Schuljahr freiwillig eine zusätzliche Unterrichtsstunde pro Woche zu übernehmen. Für ältere Lehrerinnen und Lehrer plant die Landesregierung gleichzeitig neue Entlastungsregelungen, um sie länger im Beruf halten zu können.

Freiwillige Mehrarbeit stabilisiert Unterrichtsversorgung

Im laufenden Schuljahr konnte die Unterrichtsversorgung an Sachsen-Anhalts Schulen durch die Bereitschaft der Pädagogen zu zusätzlichen Stunden bei 93,7 Prozent stabilisiert werden. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 94 Prozent. „Ihr freiwilliger Einsatz, ihre Zusatzstunden und die flexible Gestaltung ihrer Arbeitszeit sind entscheidend“, betonte Bildungsminister Riedel am Dienstag in Magdeburg. Nur so könne den Schülerinnen und Schülern verlässliches Lernen ermöglicht werden.

Ohne die freiwillige Unterstützung der Lehrkräfte hätte die Unterrichtsversorgung nach Angaben des Ministeriums lediglich bei 91,5 Prozent gelegen. Das erklärte Ziel der Koalition aus CDU, SPD und FDP liegt bei 103 Prozent. Experten gehen davon aus, dass bei diesem Wert Unterricht auch bei Krankheit oder Abwesenheit von Lehrpersonal nicht ausfallen muss.

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Rechtliche Hintergründe und demografische Perspektiven

Am 4. September 2025 hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eine verpflichtende Zusatzstunde für etwa 12.500 Lehrer in Sachsen-Anhalt gekippt. Die Landesregierung hatte diese sogenannte Vorgriffstunde nach einem Bildungsgipfel zu Ostern 2023 eingeführt, um dem akuten Lehrermangel entgegenzuwirken. Während dieser Pflichtphase konnte durch die Extra-Stunde ein zusätzliches Arbeitsvolumen geschaffen werden, das etwa 500 Vollzeitstellen entspricht.

Bildungsminister Riedel ergänzte, dass angesichts der demografischen Entwicklung die freiwillige Mehrarbeit der Lehrerinnen und Lehrer voraussichtlich noch bis Ende der 2020er Jahre benötigt werde. Prognosen stellen für die Zeit danach sinkende Schülerzahlen in Aussicht. Der Lehrermangel werde sich in der Folge zunächst an Grundschulen und Gymnasien entspannen. An Sekundar- und Förderschulen, die besonders unter Personalmangel leiden, bleibe die Lage dagegen noch länger angespannt.

Neue Entlastungsregelungen für ältere Lehrkräfte

Um erfahrene Pädagogen länger im Beruf zu halten, plant die Landesregierung deutliche Erleichterungen für ältere Lehrerinnen und Lehrer. Künftig sollen Lehrkräfte bereits ab dem 60. Lebensjahr eine Stunde weniger pro Woche unterrichten müssen. Ab dem 62. Lebensjahr sind dann zwei Stunden weniger vorgesehen, und ab dem 65. Lebensjahr sogar drei Stunden weniger. Die derzeit geltenden Regeln sehen lediglich zwei Stunden weniger ab dem 62. Lebensjahr vor.

Diese Maßnahmen sind Teil einer umfassenden Strategie, um dem Fachkräftemangel im Bildungssektor Sachsen-Anhalts zu begegnen. Sie kombinieren die freiwillige Mehrarbeit engagierter Lehrkräfte mit gezielten Anreizen für erfahrene Pädagogen, ihre Berufstätigkeit fortzusetzen.

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