Mathemusik im Schulversuch: Rostocker Schüler erforscht Klang der Mathematik
Rostock • Lesedauer: 3 min
Wenn Zahlen zu klingen beginnen und Töne sich mathematisch ordnen lassen: Der zehnjährige Marlon Skusa aus Rostock geht einer faszinierenden Frage nach. Kann man mathematische Ordnung tatsächlich hören? Der junge Forscher präsentierte sein Langzeitprojekt beim Juniorenwettbewerb von Jugend forscht in Mecklenburg-Vorpommern und sucht weiter nach Antworten.
Die Verbindung von Mathematik und Musik
Marlon Skusa ist seit zwei Jahren Geigenspieler und begeistert sich gleichermaßen für Mathematik und Musik. „Musik kann uns fröhlich machen oder traurig“, erklärt der Schüler der Christophorusschule (CJD) in Rostock. „Die Mathematik bringt die Ordnung.“ Sein Forschungsprojekt trägt den Titel „Die Melodie der Zahlen – Können Menschen mathematische Muster in Klängen erkennen?“ und knüpft an eine lange Tradition mathematischer Strukturen in der Musik an.
Vom Zahlenwert zum Klang
Für sein Experiment entwickelte Marlon ein ausgeklügeltes System:
- Jeder Ton der Tonleiter erhielt einen numerischen Wert
- Mathematische Folgen wurden in Klangsequenzen übersetzt
- Zwei verschiedene Zahlenreihen dienten als Grundlage
Der junge Forscher verwendete die Dreierreihe des kleinen Einmaleins (3, 6, 9, 12, 15, 18, 21, 24, 27, 30) sowie die berühmte Fibonacci-Folge (0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55). Diese mathematisch bestimmten Kompositionen stellte er selbst erfundenen Melodien gegenüber.
Das Experiment: Wer erkennt den Unterschied?
Marlon wählte bewusst zwei unterschiedliche Testgruppen für sein Experiment:
- Profimusiker mit fundierter musikalischer Ausbildung
- Personen ohne musikalische Vorbildung, die nach Gefühl entscheiden
„Ich will herausfinden, ob man den Unterschied zwischen einer frei erfundenen Melodie und einer Zahlenmelodie wirklich erkennt“, erläutert der Zehnjährige seinen Ansatz. Neben der reinen Unterscheidung entwickelte er einen Fragebogen, der auch die emotionale Wirkung der Melodien erfasst. Die Hörer können Eindrücke wie „Sehnsucht“, „Durcheinander“, „Schwere“ oder „fröhlich“ zuordnen.
Überraschende vorläufige Ergebnisse
Die ersten Auswertungen zeigen interessante Tendenzen: „Profimusiker erkennen nicht besser, ob dem Stück eine musikalische Ordnung zugrunde liegt als Nichtmusiker“, fasst Marlon zusammen. Insgesamt kamen die frei komponierten Melodien bei den Testpersonen besser an, obwohl auch einige der mathematisch generierten Stücke positiv bewertet wurden.
Ein Projekt mit Zukunft
Wie lange der junge Rostocker sein Experiment fortsetzen wird, steht noch nicht fest. „Ein paar mehr Menschen benötige ich noch, die mitmachen, damit die Ergebnisse dann auch valide sind“, erklärt er. Sein langfristiges Ziel ist klar: Die gewonnenen Erkenntnisse möchte er für seine eigenen Kompositionen nutzen und weiter an der Schnittstelle zwischen Mathematik und Musik forschen.
Das Projekt zeigt, wie Jugend forscht MV Junior jungen Talenten eine Plattform bietet, um Ideen aus Schule und Alltag experimentell zu prüfen. Marlons Arbeit verbindet barocke Kompositionstechniken mit modernen, algorithmisch erzeugten Klängen und bringt diese faszinierende Verbindung in den Rostocker Schulalltag.



