Schutz im Internet: Ministerin gegen Fotoverbot für Schulen und Kitas
Die CDU-Abgeordnete Laura Hopmann warnt eindringlich vor den Gefahren von Kinderfotos im Netz. Kultusministerin Julia Willie Hamburg teilt zwar die Sorge um die digitale Privatsphäre der Kinder – setzt gegenüber Schulen und Kitas jedoch auf Vertrauen statt auf Verbote.
CDU fordert landesweit einheitliche Strategie
Schulen und Kitas in Niedersachsen sollten nach Ansicht der CDU-Landtagsabgeordneten Laura Hopmann vollständig auf die Veröffentlichung von Kinderbildern im Internet verzichten. Die Verbreitung solcher Fotos schaffe Tatgelegenheiten für Pädokriminelle, warnte Hopmann in einer aktuellen Stellungnahme. Darüber hinaus beeinflusse die ständige Präsenz im Netz die kindliche Entwicklung negativ.
„Außerdem macht es etwas mit der Kindesentwicklung, wenn Kinder merken: Auch Menschen, die nicht dabei waren, wissen alles Mögliche über ihren Alltag. Unbeobachtete und freie Kindheit wird damit erschwert“, erklärte die CDU-Politikerin.
Hopmann appellierte an die rot-grüne Landesregierung, eine landesweit einheitliche Strategie zu entwickeln. Öffentliche Einrichtungen müssten ihrer Vorbildfunktion gerecht werden, betonte sie. Eine klare Vorgabe der Landesregierung wäre zudem eine wichtige Entlastung für die oft überforderten Schulleitungen.
Ministerin setzt auf Sensibilität der Verantwortlichen
Kultusministerin Julia Willie Hamburg von den Grünen will den Schulen und Kitas allerdings kein generelles Verbot auferlegen. „Es geht nicht darum zu verbieten, sondern darum, zu schützen und mit Augenmaß verantwortungsvoll zu kommunizieren“, sagte die Ministerin. Sie vertraue den Schulleitungen und den für Webseiten Verantwortlichen, dass sie die notwendige Sensibilität besäßen.
Diese wüssten, dass vor allem Fotos von Einzelpersonen oder Gruppenbilder, aus denen einzelne Kinder hervorgehoben werden, nicht ins Netz gehörten. „Im Zweifel gilt: lieber ein Bild weniger als ein Risiko zu viel“, so Hamburgs klare Maxime.
Die Ministerin betonte, sie sei sich der Gefahren für Kinder und Jugendliche durch unachtsam veröffentlichte Onlinefotos bewusst, die oft schlimme Folgen für die Betroffenen hätten. Die digitale Privatsphäre der Kinder müsse konsequent geschützt werden.
KI-Bilder keine geeignete Alternative
Die CDU-Abgeordnete Hopmann sieht auch in KI-generierten Bildern keine geeignete Alternative für Schulen und Kitas. Da künstliche Intelligenz auf großen Mengen realer Bilddaten trainiert werde, löse dies das grundsätzliche Problem nicht. „Entscheidend ist daher nicht, reale durch künstliche Bilder zu ersetzen, sondern grundsätzlich darauf zu verzichten, Kinder für Werbezwecke einzusetzen“, argumentierte Hopmann.
Stattdessen sollten Kitas und Schulen ihre pädagogische Arbeit und Projekte in den Mittelpunkt stellen, ohne Kinder unnötig zur Schau zu stellen.
Ministerium: Identifizierbare Bilder werden seltener
Das Kultusministerium erklärte in einer Antwort auf eine Anfrage der CDU-Fraktion, auf Profilen und Homepages fänden sich „immer seltener individuelle Fotos, welche eine Identifizierung einzelner Kinder ermöglichen“. Öffentliche Bildungseinrichtungen sollten die Veröffentlichung identifizierbarer Bilder von Kindern in sozialen Medien kritisch auf ihre Erforderlichkeit hinterfragen.
Jeder Verzicht auf identifizierbare Kinderbilder in sozialen Medien stärke den Schutz vor digitaler Gewalt, Missbrauchsdarstellungen, Bildmanipulation sowie vor langfristigen Folgen für die digitale Privatsphäre, so das Ministerium.
Hopmann widersprach dieser Einschätzung jedoch: „Unsere Wahrnehmung ist vielmehr, dass Kinder auf Profilen von Einrichtungen weiterhin sehr präsent sind und das Vorgehen der Einrichtungen höchst unterschiedlich ist“. Zu den konkreten Gefahren zählt die CDU-Politikerin eine Zweckentfremdung oder KI-gestützte Manipulation der Bilder. Werbezwecke dürften daher nicht das gleiche Gewicht haben wie der Kinderschutz.



