Latexkleid und Netzhemd vor dem Abi: Zu früh für Fetisch-Outfits in der Mottowoche?
Mottowoche: Zu früh für Fetisch-Outfits vor dem Abi?

Mottowochen an Schulen: Feiern vor den Prüfungen – eine Frage des Timings?

Unsere Redakteurin blickt mit gemischten Gefühlen auf die aktuellen Mottowochen an den Schulen in der Uckermark. Während sie selbst ihren letzten Schultag vor fast 40 Jahren eher unspektakulär in Erinnerung hat – mit einem Bierchen auf dem Parkplatz und einem Trillerpfeifen-Konzert –, zelebrieren heutige Gymnasiasten den Abschied vom Schulalltag deutlich ausgiebiger.

Von Fasching bis Fetisch: Die Tradition der Mottowochen

Nicht nur einen Tag, sondern eine ganze Woche lang verwandeln sich die Schulen in eine Art Fasching. Jeden Tag stehen neue Kostümthemen auf dem Plan: Mal schlüpfen die Schüler in die Rolle ihrer Lieblingshelden, mal tragen sie Verkleidungen, die mit ihrem Anfangsbuchstaben beginnen. Am Freitag folgt dann eine große Endzeremonie. „Ich finde das übertrieben“, gibt die Redakteurin offen zu, betont aber, dass viele Beteiligte durchaus Spaß an dieser Tradition haben.

Doch ein Punkt stört sie besonders: Die Feierei findet statt, bevor die Abiturprüfungen überhaupt geschrieben sind. In wenigen Tagen müssen die Gymnasiasten schriftlich ran, und die Zeit davor wird mit ausgelassenen Mottowochen gefüllt. „Sie können ja so viel ausrasten, wie sie wollen – aber bitte erst, wenn der Abschluss in der Tasche ist“, argumentiert sie.

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Knappe Outfits und gesellschaftliche Debatten

Ein konkretes Beispiel aus Prenzlau unterstreicht ihre Bedenken: Im letzten Jahr tauchten einige Schüler in knappen, schwarzen Outfits auf, die an eine Fetischparty der SM-Szene erinnerten. „Das sah richtig sexy aus“, räumt die Redakteurin ein, fügt aber hinzu: „Ich hätte solche Fetischfummel, wenn überhaupt, erst nach getaner Arbeit zum Abiball angezogen.“

Damit wirft sie eine grundsätzliche Frage auf: Ist es angemessen, dass Schüler in provokativen Verkleidungen wie Latexkleidern oder Netzhemden auftreten, bevor sie ihre Prüfungen absolviert haben? Oder handelt es sich hierbei um eine überholte, spießige Haltung, die den Jugendlichen ihren Spaß nicht gönnt?

Ein Blick in die Vergangenheit und die Gegenwart

Zum Vergleich: In ihrer eigenen Schulzeit beschränkte sich die Feier auf einen kurzen Umtrunk in einer „Ost-Spelunke“, gefolgt von der ernüchternden Realität der anstehenden Abi-Prüfungen. Heute hingegen scheint die Mottowoche zu einem festen Ritual geworden zu sein, das den Schulalltag für Tage prägt.

Die Redakteurin lädt zur Diskussion ein: „Bin ich zu spießig? Was meinen Sie?“ Sie ermutigt Leser, ihre Meinung per E-Mail zu teilen, und reflektiert damit die gesellschaftliche Debatte über Grenzen und Freiheiten im Schulkontext.

Letztlich bleibt die Frage, ob solche Traditionen die Vorfreude auf das Ende der Schulzeit steigern oder ob sie von den eigentlichen schulischen Pflichten ablenken. In einer Zeit, in der Jugendliche zwischen Leistungsdruck und dem Wunsch nach Selbstausdruck balancieren, gewinnt dieses Thema an Relevanz – besonders in Regionen wie der Uckermark, wo lokale Bräuche und moderne Einflüsse aufeinandertreffen.

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