Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volhard: Überrascht von Bio-Zwei im Abitur und Kritik an Naturwissenschaften
Nobelpreisträgerin: Bio-Zwei im Abitur und Kritik an Naturwissenschaften

Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard: Überrascht von Bio-Zwei im Abitur und Kritik an Naturwissenschaften

Christiane Nüsslein-Volhard, Deutschlands erste und bislang einzige Wissenschaftlerin, die einen Nobelpreis in Naturwissenschaften erhielt, zeigt sich bis heute erstaunt über ihre Abiturprüfung im Fach Biologie. „Ach, da war ich nicht so besonders gut. Ich habe halt nur eine Zwei gekriegt, obwohl ich eigentlich so viel gemacht hatte im Unterricht, dass ich fand, ich hätte eine Eins verdient“, sagte die Biochemikerin dem Bayerischen Rundfunk. Diese persönliche Anekdote unterstreicht ihre Kritik an der gesellschaftlichen Wertschätzung naturwissenschaftlicher Fächer.

Geringe Wertschätzung für Naturwissenschaften in Deutschland

Nach Ansicht der emeritierten Direktorin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen werden naturwissenschaftliche Fächer in Deutschland traditionell zu wenig geschätzt. „Das war schon immer so, dass das von der Gesellschaft aus nicht besonders hochwertig angesehen wird“, betonte Nüsslein-Volhard. Sie wies darauf hin, dass in der deutschen Kultur oft geisteswissenschaftliche Fertigkeiten wie Latein oder Griechisch höher bewertet werden, während Leistungen in Mathematik oder Naturwissenschaften weniger Anerkennung finden.

Diese Haltung beginne bereits im Kindesalter: „Auch bei Kindern zählt es ja viel mehr, wenn die die Autos unterscheiden können, aber die Pflanzen im Vorgarten, die können sie nicht auseinanderhalten“, erklärte die Nobelpreisträgerin. Mit dem Fach Biologie startet heute der erste Jahrgang des neuen neunjährigen Gymnasiums (G9) in Bayern in die Abiturprüfungen, was die Aktualität des Themas unterstreicht.

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Forschungsarbeit mit der Taufliege und Nobelpreis-Erfolg

Christiane Nüsslein-Volhard, die 1942 in Magdeburg geboren wurde, verdankt einen Großteil ihres wissenschaftlichen Ruhms der Taufliege Drosophila melanogaster. Zusammen mit zwei amerikanischen Entwicklungsbiologen entdeckte sie die genetischen Mechanismen, die die frühe Entwicklung der Fliegenembryos steuern. Für diese bahnbrechende Forschung erhielt das Trio 1995 den Medizin-Nobelpreis, was Nüsslein-Volhard zu einer international renommierten Figur in der Biologie machte.

Ihr Lebensweg zeigt, dass schulische Noten nicht zwangsläufig den späteren Erfolg vorhersagen. Trotz ihrer Enttäuschung über die Abi-Note in Biologie erreichte sie Höchstleistungen in der Forschung und setzt sich nun für eine stärkere Förderung und Anerkennung naturwissenschaftlicher Bildung ein. Ihre Kritik richtet sich an die Gesellschaft, mehr Wert auf naturwissenschaftliche Kompetenzen zu legen, um zukünftige Generationen für diese wichtigen Felder zu begeistern.

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