Sprachliches Debakel bei Berliner Polizeibewerbern: Fast 40 Prozent scheitern am Deutschtest
Die Berliner Polizei steht vor einem massiven Sprachproblem. In den Jahren 2024 und 2025 sind von insgesamt 10.874 Bewerbern erschreckende 4.271 Personen beim verpflichtenden Deutschtest durchgefallen. Das entspricht einem Anteil von 39,3 Prozent – weit mehr als jeder dritte Kandidat erfüllt nicht die sprachlichen Mindestanforderungen für den Polizeidienst.
Abiturienten zeigen gravierende Defizite
Besonders alarmierend: Selbst Bewerber mit höheren Bildungsabschlüssen schneiden katastrophal ab. Von den 6.013 Kandidaten mit Abitur, Fachhochschulreife oder abgeschlossenem Studium sind 1.812 am Deutschtest gescheitert. Das bedeutet, dass knapp ein Drittel (30,1 Prozent) dieser eigentlich gut ausgebildeten Gruppe die sprachlichen Anforderungen nicht erfüllt. Insgesamt hatten 42,3 Prozent aller durchgefallenen Bewerber Abitur oder einen Studienabschluss.
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) kommentiert gegenüber BILD: „Wenn selbst Abiturienten Mindeststandards in Rechtschreibung und Grammatik nicht sicher beherrschen, ist das ein Armutszeugnis für das Berliner Bildungssystem. Dieser erschreckende Abwärtstrend besteht seit Jahren.“
Folgen für die Personalgewinnung
Die mangelnde Sprachkompetenz hat direkte Auswirkungen auf die Besetzung der Ausbildungsplätze. Im Jahr 2025 konnten von den geplanten 1.224 Ausbildungsplätzen lediglich 936 besetzt werden – ein Viertel der Stellen blieb unbesetzt. Diese Lücke ist wesentlich auf die hohe Durchfallquote beim Deutschtest zurückzuführen.
Innen-Experte Tommy Tabor (AfD), der die Zahlen beim Innensenat erfragt hat, stellt fest: „Die erschütternden Zahlen zeigen, dass wir ein grundlegendes Problem mit den Basiskompetenzen haben. Polizisten müssen Protokolle schreiben, Berichte verfassen und mit Bürgern kommunizieren – dafür ist solide Deutschkenntnisse unverzichtbar.“
So funktioniert der Polizei-Deutschtest
Der Sprachtest der Berliner Polizei ist anspruchsvoll: Bewerber sitzen am Computer und hören über Kopfhörer einen Text von etwa 200 Wörtern, der langsam vorgelesen wird. Nach jeweils fünf bis acht Wörtern gibt es Sprechpausen zum Mitschreiben. Intern gilt die Regel: Mehr als 14 Fehler bedeuten das endgültige Durchfallen.
Die Berliner Polizei bietet keine Vorbereitungskurse an. Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) betont: „Es wird von Bewerbenden erwartet, dass sie sich eigenständig auf das Auswahlverfahren vorbereiten, da sie einen Beruf ergreifen wollen, der von hoher eigener Motivation geprägt ist.“
Sprachförderung während der Ausbildung
Selbst wer den Eingangstest besteht, hat oft weiterhin mit Sprachproblemen zu kämpfen. Mindestens jeder zweite eines Einstellungsjahrgangs erhält während der ersten drei Ausbildungssemester zusätzliche Förderung in Kleingruppen – zusätzlich zum regulären Deutschunterricht.
Die Probleme setzen sich teilweise bis zum Abschluss der Ausbildung fort: Innerhalb von sechs Jahren (2019 bis 2024) haben von 2.166 Nachwuchskräften 97 die erste reguläre Deutschprüfung nicht bestanden. Vier Polizeischüler mussten aufgrund anhaltender Sprachdefizite endgültig aus der Ausbildung entlassen werden.
Kein Unterschied nach Migrationshintergrund
Interessanterweise gibt es beim schlechten Abschneiden kaum Unterschiede zwischen Bewerbern mit oder ohne Migrationshintergrund. Darauf hatte bereits Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel im Innenausschuss hingewiesen.
Bildungssenatorin Günther-Wünsch zieht Konsequenzen aus den alarmierenden Zahlen: „Das bestärkt mich ganz klar in meiner Qualitätsstrategie, dass wir noch mehr Gewicht auf Deutsch und Mathematik legen müssen. Diese Basiskompetenzen muss jeder in der 10., 11., 12. Klasse beherrschen.“
Die Berliner Polizeiakademie steht damit vor der doppelten Herausforderung: Einerseits müssen genügend qualifizierte Bewerber gefunden werden, andererseits muss die sprachliche Ausbildung während der gesamten Ausbildungszeit intensiviert werden, um den Anforderungen des Polizeialltags gerecht zu werden.



