Ramadan-Streit an Klever Gesamtschule: Schüler sollen sich beim Essen wegdrehen
An der Joseph-Beuys-Gesamtschule in Kleve (Nordrhein-Westfalen) hat eine interne Regelung während des muslimischen Fastenmonats Ramadan für erhebliche Kontroversen gesorgt. Laut Berichten sollen Schüler der fünften und sechsten Klassen angehalten worden sein, sich beim Verzehr ihres Pausenbrots wegzudrehen, um fastende muslimische Mitschüler nicht zu belästigen.
Schule stellt Vorgang als Kommunikationsproblem dar
Die Schulleitung hat inzwischen auf ihrem Instagram-Kanal ein Statement veröffentlicht, in dem sie den Vorfall als Folge einer „teilweise nicht ganz eindeutigen Kommunikation“ darstellt. „Die von uns herbeigeführte Klärung der Tatsachen hat keine Hinweise auf ein grundsätzliches Problem an unserer Schule ergeben“, heißt es in der Erklärung. Man kündigte an, die Hintergründe in den kommenden Tagen gründlich aufzuarbeiten. Auf direkte Presseanfragen reagierte die Schule nicht.
Betroffene Eltern und Experten kritisieren Regelung scharf
Zwei Mütter, Mirijam M. (43) und Stephanie B. (41), die den Fall öffentlich gemacht haben, zeigen sich enttäuscht von der Reaktion der Schule. „Wir hätten uns gerne einen offenen Umgang damit gewünscht, doch das Problem wird einfach totgeschwiegen. Die Schule will einfach nur ihren Ruf retten, anstatt die Situation zu lösen“, erklärten sie gegenüber Medien. Eine der Töchter fühle sich durch die fastenden Mitschüler gemobbt.
Mobbing-Experte Carsten Stahl, der eine der betroffenen Familien betreut, verurteilt die Wegdreh-Regel deutlich: „Toleranz ist keine Selbstverständlichkeit und keine Einbahnstraße. Diese Regel ist eine Diskriminierung und fördert Mobbing von Schülern. Das kann nicht der pädagogische Sinn dahinter sein.“
Weitere Vorwürfe bezüglich Rücksichtnahme und Essensangebot
Ein Vater brachte zusätzliche Kritik an: Er behauptet, an der Joseph-Beuys-Gesamtschule werde „mehr Rücksicht auf ausländische Schüler genommen“. Dies betreffe auch das Essensangebot: „Mein Sohn liebt Schweineschnitzel, aber das bekommt er hier natürlich kaum“, so seine Aussage. Diese Äußerungen werfen weitere Fragen zum Umgang mit kulturellen Unterschieden und Integration im Schulalltag auf.
Der Fall hat über das Wochenende hinweg für erhebliche mediale Aufmerksamkeit gesorgt und eine Debatte über religiöse Toleranz, Diskriminierung und pädagogische Verantwortung entfacht. Die Schule befindet sich nun unter Druck, nicht nur die Kommunikation zu verbessern, sondern auch konkrete Lösungen für ein respektvolles Miteinander aller Schüler zu finden.



