Fast jeder zweite Neuntklässler in Schleswig-Holstein mit hohen Fehlzeiten
Eine aktuelle Studie aus Schleswig-Holstein offenbart alarmierende Zahlen zu den Fehlzeiten von Neuntklässlern. Fast jeder zweite Jugendliche in dieser Jahrgangsstufe hat im vergangenen Schuljahr an mindestens elf Schultagen gefehlt. Die Datenauswertung des Bildungsministeriums zeigt dabei ein deutliches Bild: 23 Prozent der Schülerinnen und Schüler wiesen problematische Fehlzeiten von 11 bis 20 Tagen auf, während 17 Prozent gravierende Abwesenheiten von 21 bis 40 Tagen verzeichneten.
Besorgniserregende Zahlen: Acht Prozent fehlen über 40 Tage
Besonders bedenklich ist der Anteil von acht Prozent der Neuntklässler, die sogar mehr als 40 Tage dem Unterricht fernblieben. Das Bildungsministerium stuft diese Fehlzeiten als massiv ein. Die Studie ergab zudem, dass sieben Prozent der Jugendlichen den ersten allgemeinbildenden Schulabschluss nicht erreichten – bei ihnen lagen zumeist massive oder gravierende Fehlzeiten vor.
Die Auswertung basiert auf Daten von 16.222 Neuntklässlern an 186 Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein. In den Zahlen enthalten sind sowohl entschuldigte Fehlzeiten, beispielsweise bei Krankheit, als auch unentschuldigte Abwesenheiten. Die landesweite Untersuchung ist Teil des Forschungsprojekts »Sanscho« zum Schulbesuch und Schulabbruch in Schleswig-Holstein.
Bildungsministerin stellt erste Zwischenergebnisse vor
Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) hat gemeinsam mit einem wissenschaftlichen Team der Europa-Universität Flensburg und der Universität Leipzig nun erste Zwischenergebnisse präsentiert. Das Land unterstützt diese bundesweit einmalige Studie mit rund 691.000 Euro. Das Projekt erforscht die Ursachen von Schulabsentismus und soll eine Grundlage für die Weiterentwicklung bestehender Unterstützungsangebote für Schulen schaffen.
Die Zwischenergebnisse bestätigen nach Angaben der Bildungsministerin die zentralen Leitlinien des Landeskonzepts. Dabei geht es vor allem um die frühzeitige Erkennung von Problemen, individuelle Unterstützung der Kinder und Jugendlichen, klare Abläufe sowie wirksame Begleitung der Schulen durch Beratung und Vernetzung.
Unterschiedliche Ansätze bei Schulangst und Schwänzen
Die Forschenden unterscheiden in ihrem Zwischenbericht zwischen Ansätzen bei Schulangst und Schwänzen. Während bei Schulangst das Schulklima, Beziehungen und das Sicherheitsgefühl im Vordergrund stehen, setzt man bei Schwänzen auf Monitoring und klare Strukturen. Bildungsministerin Stenke betont, dass Schulabsentismus ein bundesweites Phänomen sei.
»Mit dem Konzept zum Schulabsentismus haben wir gezielte Maßnahmen auf den Weg gebracht, um den Ursachen entgegenzuwirken«, erklärt Stenke. Das Forschungsprojekt schaffe erstmals eine datenbasierte Grundlage, um die Strukturen für eine noch wirksamere Unterstützung der betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie der Schulen weiterzuentwickeln.
Wichtige Erkenntnis: Fehlzeiten ab dem ersten Tag erfassen
Eine zentrale Erkenntnis der Studie ist laut Stenke die Notwendigkeit, Fehlzeiten bereits ab dem ersten Tag zu erfassen. »Schülerinnen und Schüler sind nicht an Bord«, stellt die Ministerin fest. Hinter dieser zunächst technischen Maßnahme stehe die wichtige Notwendigkeit für Lehrkräfte, Kontakt mit den Eltern aufzunehmen.
»Das ist wichtig, denn es zeigt den Kindern: Ich werde gesehen«, betont Stenke. »Es macht einen Unterschied, ob ich komme oder nicht komme. Die Lehrkraft merkt das und sie kümmert sich anschließend um mich.« Auf diese Weise werde das Zugehörigkeitsgefühl gestärkt, was ein wichtiger Resilienzfaktor sei.
Studie läuft bis Ende 2027 – Transfer in die Praxis geplant
Die Studie wird noch bis Ende 2027 fortgeführt. Nun soll ein Transfer in die Praxis erfolgen, der wissenschaftlich an zwei Schulen begleitet wird. Welche Schulen dies sein werden, wurde bisher noch nicht bekannt gegeben. Die Forschungsergebnisse sollen dazu beitragen, das Problem des Schulabsentismus in Schleswig-Holstein nachhaltig zu bekämpfen und die Bildungschancen aller Schülerinnen und Schüler zu verbessern.



