Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die in Niedersachsen die allgemeinbildenden Schulen ohne gesicherten Abschluss verlassen, hat sich innerhalb eines Jahrzehnts nahezu verdoppelt. Im Sommer 2025 lag die Quote bei 9,5 Prozent – das entspricht mehr als 7.400 Jugendlichen. Im Vorjahr waren es noch 8,7 Prozent, im Jahr 2016 lediglich 5,4 Prozent. Dies geht aus einer Antwort des niedersächsischen Kultusministeriums auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion hervor.
Ministerium: Nicht mit Schulabbrechern gleichsetzen
Das Ministerium betont jedoch, dass die Statistik nicht mit Schulabbrechern gleichgesetzt werden dürfe. In der erfassten Zahl seien auch Schüler enthalten, die aufgrund von Sprachdefiziten – etwa nach erst kurzem Aufenthalt in Deutschland – auf eine Berufsschule wechseln, sowie Abgänger mit Förderschulabschluss oder sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich geistige Entwicklung. „Es ist wichtig festzuhalten, dass dieser Anteil keinesfalls gleichzusetzen ist mit einer Angabe über Abbrüche von Bildungsbiografien“, erklärt das Ministerium. In der Regel blieben die betroffenen Jugendlichen über die Berufsschule oder eine Ausbildung im Bildungssystem.
„Wir lassen kein Kind zurück“
Niedersachsen bewege sich mit diesen Zahlen bundesweit im Mittelfeld. Dennoch: „Wir nehmen diesen Anstieg sehr ernst – und akzeptieren ihn nicht“, sagte eine Sprecherin von Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne). „Jeder junge Mensch ohne gesicherten Schulabschluss ist einer zu viel.“ Entscheidend sei: „Wir lassen kein Kind zurück.“ Zudem könne der Weg über die Berufsschule noch zu einem allgemeinbildenden Abschluss führen. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre hätten mehr als 3.800 Schüler pro Jahr den Hauptschulabschluss an einer berufsbildenden Schule erworben.
CDU sieht wachsendes Problem
Der CDU-Bildungspolitiker Christian Fühner sieht hingegen ein „wachsendes Problem“. Er wirft der Kultusministerin vor, weder einen klaren Überblick über die Ursachen noch einen wirksamen Plan zur Gegensteuerung zu haben. „Frau Hamburg bleibt zentrale Antworten schuldig, während die Zahlen weiter steigen“, sagte Fühner. „Wir wollen die Zahl der Schulabbrecher deutlich reduzieren – dafür braucht es frühzeitige Förderung, klare Leistungsanforderungen und gezielte Unterstützung für Schulen vor Ort.“ In Niedersachsen besuchen knapp 900.000 Kinder und Jugendliche eine allgemeinbildende Schule. Prognosen zufolge wird die Schülerzahl bis 2034 auf über eine Million anwachsen.



