Studieren in Rosenheim: Holzer-Traditionen und Bergblick vom Balkon
Die oberbayerische Stadt Rosenheim bietet Studierenden eine einzigartige Mischung aus akademischer Ausbildung, traditionellen Bräuchen und atemberaubender Naturkulisse. Florentine Hoppe, eine 26-jährige Studentin im siebten Semester Innenausbau, tauschte vor knapp vier Jahren Berlin gegen Bayern und erzählt von ihrem studentischen Alltag zwischen Holzwerkstätten und Bergpanorama.
Historische Wurzeln und moderne Ausbildung
Die Verbindung zum Holz ist tief in der Geschichte Rosenheims verwurzelt. Lange Zeit war die Stadt einer der größten Holzumschlagplätze Deutschlands, woraus sich die heutige Technische Hochschule Rosenheim entwickelte. Diese gilt als bedeutendes Ausbildungszentrum im Bereich Holztechnik und Bau. Florentine Hoppe studiert hier Innenausbau und bezeichnet sich selbst als Holzerin – eine Bezeichnung, die mit besonderen Traditionen verbunden ist.
Campusleben mit Festen und Gemeinschaftsgefühl
Der Campus der Technischen Hochschule Rosenheim präsentiert sich als interessante Mischung aus modernen Gebäuden mit Holz- und Stahlelementen und älteren Bauten. Dazwischen liegen zahlreiche Labore und Werkstätten, die den praktischen Charakter der Ausbildung unterstreichen. Neben Seminaren und Vorlesungen finden auf dem Gelände regelmäßig Feste statt, die das Gemeinschaftsgefühl stärken.
„Besonders lustig finde ich den Bieranstich, zu dem regelmäßig über tausend Menschen kommen“, berichtet Hoppe. „Für ausgelassene Stimmung sorgt die hochschuleigene Band. Aber auch das Weinfest und der Christkindlmarkt mit Crêpes und Glühwein bringen viel Spaß.“
Die Mensa entwickelt sich täglich zum beliebten Treffpunkt, auch wenn sie für den Mittagsansturm fast zu klein ist. Das Konzept überzeugt jedoch: Die Gerichte lassen sich wie an einem Buffet frei zusammenstellen, abgerechnet wird nach Gewicht. Zu den Favoriten der Studierenden zählen Kaiserschmarrn, Käsespätzle und die legendäre Leberkässemmel zum Frühstück.
Die Tradition des Hutes der Schande
Als Studentin der Fakultät für Holztechnik und Bau im Abschlusssemester ist Florentine Hoppe Teil einer besonderen Tradition: Sie muss einen speziellen Hut tragen, der nur nach bestimmten Regeln abgenommen werden darf. Wer ohne Hut erwischt wird, muss den sogenannten „Hut der Schande“ tragen – eine ungewöhnliche, aber fest verwurzelte Tradition unter den Holzer-Studierenden.
Wohnen mit Bergblick und kurzen Wegen
Die Wohnungssuche in Rosenheim gestaltet sich insbesondere zum Semesterstart herausfordernd. Die Mietpreise schwanken zwischen 300 und 600 Euro für ein WG-Zimmer, wobei der Medianpreis im Sommersemester 2025 bei etwa 500 Euro lag. Viele Studierende wohnen zwischen Hochschule und Innenstadt – so auch Florentine Hoppe.
„Für mein 15 Quadratmeter großes Zimmer zahle ich 350 Euro warm“, erklärt sie. „Damit bin ich zufrieden, vor allem wegen der Lage. Von meinem Balkon aus kann ich die Berge sehen, trotzdem brauche ich mit dem Fahrrad nur fünf Minuten in die Innenstadt und nicht einmal zehn Minuten zur Hochschule.“
Die überschaubare Größe der Stadt mit rund 65.000 Einwohnern und etwa 5.500 Studierenden sorgt für kurze Wege. Kaum ein Ziel ist weiter als 20 Fahrradminuten entfernt. Direkt in der Nähe fließt der Inn, der zu entspannten Spaziergängen einlädt.
Freizeit zwischen Bergen und München
Ein besonderer Vorteil Rosenheims ist die unmittelbare Nähe zu den Alpen. „Von meiner Wohnung aus fahre ich mit dem Auto gerade mal 20 Minuten zum Fuß des Heubergs“, schwärmt Hoppe. Auch anspruchsvollere Wanderungen lassen sich unkompliziert organisieren, und im Winter ist Skifahren problemlos möglich.
Die Innenstadt mit ihrem bunten, überschaubaren Charme lädt zum Schlendern ein. Rund um den Max-Joseph-Platz finden sich viele nette Cafés, abends lockt die Asta-Kneipe mit Events wie Poetry-Slams oder kleineren Konzerten. Eine ausgeprägte Clubszene sucht man in Rosenheim vergebens, dafür ist München mit dem Regionalexpress in nur einer halben Stunde erreichbar.
Traditionelle Feste prägen das Stadtbild: Das Starkbierfest im Frühjahr und das Herbstfest Anfang September auf der Loretowiese ziehen regelmäßig die gesamte Stadtbevölkerung an. Kulturinteressierte besuchen den Lokschuppen, der regelmäßig große Ausstellungen zu wechselnden Themen zeigt – aktuell wird eine multimediale Ausstellung über die Römer vorbereitet.
Fernsehruhm und Abschiedsgedanken
Rosenheim erlangte durch die ZDF-Serie „Die Rosenheim-Cops“ bundesweite Bekanntheit. Seit der Erstausstrahlung im Jahr 2002 wurden fast 600 Folgen produziert, wobei sich die Drehorte über die gesamte Stadt verteilen – das alte Rathaus dient als Polizeistation in der Serie.
Für Florentine Hoppe neigt sich die Studienzeit dem Ende entgegen. „Der starke Zusammenhalt unter den Studierenden hat die Zeit in Rosenheim für mich sehr besonders gemacht“, resümiert sie. „Ich werde die Stadt sehr vermissen, wenn ich nach diesem Semester meine Zelte abbreche.“ Da sie keine Vorlesungen mehr hat, schreibt sie ihre Bachelorarbeit anderswo – der genaue Ort steht noch nicht fest, doch der Zeitpunkt für den Abschied fühlt sich richtig an, da auch viele ihrer Freundinnen die Stadt verlassen.
Die Technische Hochschule Rosenheim bleibt mit ihren etwa 7.600 Studierenden an vier Standorten (Rosenheim, Mühldorf am Inn, Burghausen und Chiemgau in Traunstein) eine wichtige Bildungsinstitution in der Region. Das studentische Leben zwischen Holzer-Traditionen, Bergpanorama und kurzen Wegen nach München macht Rosenheim zu einer besonderen Studienstadt mit starkem Gemeinschaftsgefühl.



