DIW-Chef Fratzscher warnt: Demografie lässt deutschen Wachstumsmotor nie mehr anspringen
DIW-Chef: Deutscher Wachstumsmotor springt nie mehr an

Demografie als Wachstumsbremse: DIW-Chef sieht dauerhafte Stagnation für Deutschland

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, äußert sich äußerst pessimistisch über die langfristigen Wachstumsaussichten Deutschlands. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) warnt der renommierte Ökonom, dass der deutsche Wachstumsmotor aufgrund der demografischen Entwicklung möglicherweise nie wieder richtig anspringen wird. Die alternde Gesellschaft und der daraus resultierende Arbeitskräftemangel stellen nach seiner Analyse strukturelle Hindernisse dar, die eine Rückkehr zu den Wachstumsraten vergangener Jahrzehnte unmöglich machen.

Internationale Organisationen bestätigen düstere Prognosen

Diese Einschätzung wird durch internationale Wirtschaftsorganisationen gestützt. Sowohl der Internationale Währungsfonds (IWF) als auch der Sachverständigenrat der Bundesregierung beziffern Deutschlands langfristiges Potenzialwachstum auf durchschnittlich lediglich 0,7 Prozent pro Jahr. Diese Zahl gilt als Richtwert für das mögliche Wachstum bis zum Jahr 2070 und unterstreicht die anhaltende wirtschaftliche Schwächephase. Die zentrale Ursache für diese Entwicklung ist eindeutig: Die gesellschaftliche Alterung reduziert kontinuierlich das Angebot an verfügbaren Arbeitskräften, während gleichzeitig die Zahl der zu versorgenden Rentnerinnen und Rentner stetig steigt.

Fratzschers Reformforderungen: Steuererhöhungen und Subventionsabbau

Aus dieser Diagnose leitet Marcel Fratzscher klare politische Handlungsempfehlungen ab. Der DIW-Präsident fordert umfassende Reformen, darunter Steuererhöhungen und den Abbau von Subventionen. Konkret schlägt er vor, Minijobs abzuschaffen und eine höhere Grundsteuer einzuführen, um Anreize für die wirtschaftliche Nutzung von Immobilien zu schaffen. Besonders im Fokus stehen klimaschädliche Subventionen wie das Dieselprivileg, die Steuerbefreiung von Kerosin und die Pendlerpauschale, die zusammen jährlich etwa 60 Milliarden Euro ausmachen. Zudem plädiert Fratzscher für die Abschaffung des Ehegattensplittings, das den Staat rund 22 Milliarden Euro kostet.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Politische Blockaden und die Gefahr der Mehrwertsteuererhöhung

Allerdings zeigt sich der Ökonom skeptisch, ob die aktuelle Bundesregierung diese notwendigen Reformen umsetzen wird. Stattdessen rechnet er damit, dass die schwarz-rote Koalition den politisch bequemeren Weg wählt und die Mehrwertsteuer von 19 auf 21 Prozent erhöht. Diese Maßnahme würde zwar etwa 30 Milliarden Euro zusätzlich einbringen, wäre aber sozial fatal und ökonomisch wenig zielführend. Fratzscher kritisiert, dass beide Regierungsparteien ihre roten Linien abgesteckt haben: Die Union lehnt Steuererhöhungen ab, die SPD will nicht beim Sozialstaat sparen, und Subventionsabbau ist für beide kein Thema.

Diese politische Blockadehaltung verhindert nach Ansicht des DIW-Chefs dringend benötigte strukturelle Reformen. Dabei hatte die Bundesregierung erst Anfang Januar die Mehrwertsteuer auf Restaurant- und Imbissessen von 19 auf 7 Prozent gesenkt – eine Maßnahme, die im Widerspruch zu den langfristigen Herausforderungen steht. Fratzscher, der bereits 2025 eine grundlegende Neuaufstellung des deutschen Sozialstaats vorgeschlagen hatte, betont die Dringlichkeit des Handelns. Ohne tiefgreifende Veränderungen droht Deutschland eine dauerhafte wirtschaftliche Stagnation, die durch die demografische Entwicklung noch verschärft wird.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration