Deutschland verzeichnet historisch niedrige Geburtenrate
Die aktuellen Zahlen zur Geburtenentwicklung in Deutschland zeigen einen besorgniserregenden Trend: Nie zuvor wurden so wenige Kinder geboren wie im vergangenen Jahr. Experten sehen hierin eine alarmierende Entwicklung für die demografische Zukunft des Landes.
„Mit mehreren Kindern findet man keine bezahlbare Wohnung“
Saba, eine 32-jährige Umweltschutzingenieurin aus Hamburg, erwartet im Juni ihr zweites Kind. Als der Schwangerschaftstest positiv ausfiel, setzten sie und ihr Mann sich zunächst hin, um die finanzielle Tragfähigkeit dieser Entscheidung genau zu durchrechnen. „Als mein Mann und ich alles durchgerechnet haben, haben wir beschlossen, dass wir das hinbekommen“, erklärt die werdende Mutter. „Ein drittes Kind fände ich zwar toll, aber dann wird das Leben wohl doch zu teuer.“
Die Familie lebt derzeit mit ihrer 20 Monate alten Tochter in der Hansestadt Hamburg. Das größte Problem, dem sie sich gegenübersieht, ist die Wohnungssuche. „Man findet mit mehreren Kindern einfach keine bezahlbare Wohnung“, berichtet Saba. Nur durch den glücklichen Umstand, dass sie im selben Haus eine größere Wohnung übernehmen konnten, blieb ihnen ein Umzug erspart. Viele ihrer Freunde leben laut ihren Angaben mit zwei oder drei Kindern in beengten Zwei- oder Dreizimmerwohnungen.
Finanzielle Unterstützung wird zur Notwendigkeit
Nach der Geburt ihres zweiten Kindes plant Saba, zwei Jahre zu Hause zu bleiben. „Ich halte es für zu früh, Kinder mit zwölf Monaten in die Krippe zu geben“, begründet sie ihre Entscheidung. Die Familie hat das Glück, dass die Großeltern finanziell unterstützen können – eine Hilfe, die für viele junge Familien unverzichtbar geworden ist.
Besonders kritisch sieht Saba die Entwicklung des Elterngeldes, das seit 2007 nicht mehr erhöht wurde. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter erhielt sie bereits den Höchstsatz von 1800 Euro. „Gutes Geld, aber viel weniger als mein eigentliches Gehalt“, kommentiert sie die Situation. Dieser Verdienstausfall während der Elternzeit stellt für viele potenzielle Eltern eine erhebliche Hürde dar.
Umfrage bestätigt weitverbreitete Ängste
Eine aktuelle INSA-Umfrage im Auftrag von BILD unter 1003 Befragten bestätigt diese Erfahrungen auf breiter gesellschaftlicher Ebene. Ganze 40 Prozent der Teilnehmer nannten den befürchteten Verdienstausfall in der Elternzeit als Grund, warum sie sich gegen ein Kind entscheiden würden. Fast jeder Zweite (48 Prozent) ist zudem der Meinung, dass die finanzielle Unterstützung durch den Staat nicht ausreichend ist.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Entscheidung für Nachwuchs heute stärker denn je von ökonomischen Rahmenbedingungen abhängt. Die Kombination aus steigenden Lebenshaltungskosten, angespanntem Wohnungsmarkt und als unzureichend empfundenen staatlichen Unterstützungsleistungen führt dazu, dass viele Deutsche ihren Kinderwunsch zurückstellen oder ganz aufgeben.
Die demografischen Folgen dieser Entwicklung werden in den kommenden Jahren immer deutlicher spürbar werden und erfordern nach Ansicht von Experten umfassende politische Maßnahmen in den Bereichen Wohnungsbau, Familienförderung und sozialer Absicherung.



