Tschechien verzeichnet historischen Tiefstand bei Geburten
Lange Zeit schien Tschechien dem europäischen Trend des Geburtenrückgangs zu trotzen, doch nun hat das EU-Mitgliedsland einen dramatischen Negativrekord erreicht. Die staatliche Statistikbehörde CSU veröffentlichte alarmierende Zahlen, die eine tiefgreifende demografische Krise belegen.
Historischer Tiefstand seit dem 18. Jahrhundert
Im vergangenen Jahr kamen in Tschechien lediglich 77.600 Kinder lebend zur Welt. Diese Zahl markiert den niedrigsten Wert in einem Kalenderjahr seit Beginn der systematischen Erhebungen im Jahr 1785 – also noch zu Zeiten des Königreichs Böhmen. Der Kontrast zu früheren Jahren ist besonders deutlich: Im Jahr 2021 wurden noch etwa 111.800 Neugeborene registriert, was einem Rückgang von fast einem Drittel innerhalb von nur vier Jahren entspricht.
Demografische Ursachen und regionale Unterschiede
Ein wesentlicher Faktor für diesen drastischen Einbruch sind die sogenannten schwachen Elternjahrgänge, die nun ins gebärfähige Alter kommen. Gleichzeitig verschiebt sich das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder kontinuierlich nach oben und liegt mittlerweile bei 30,6 Jahren. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau ist auf nur noch 1,28 gesunken.
Die regionalen Unterschiede innerhalb Tschechiens sind beträchtlich:
- Die meisten Kinder pro Frau werden in der Verwaltungsregion Vysocina in der Landesmitte geboren.
- Die niedrigsten Geburtenraten verzeichnen dagegen die Hauptstadt Prag und die Karlsbader Region.
Wirtschaftliche Unsicherheit und gesellschaftlicher Wandel
Die Ökonomin Klara Kaliskova identifiziert mehrere miteinander verwobene Gründe für diese Entwicklung. „Seit mehreren Jahren ist die Inflation so hoch, wie wir es seit langem nicht mehr erlebt haben“, erklärt sie gegenüber dem Nachrichtenportal Seznam.cz. Diese wirtschaftliche Instabilität schaffe bei potenziellen Eltern erhebliche Unsicherheiten.
Hinzu kommen die anhaltenden Folgen der Corona-Pandemie und die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine, die die Lebensplanung vieler Menschen beeinträchtigen. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor ist der tiefgreifende gesellschaftliche Wandel. Die Werte und Prioritäten der jüngeren Generationen verändern sich fundamental, was sich direkt auf die Familienplanung auswirkt.
Die Kombination aus demografischen Gegebenheiten, wirtschaftlichen Herausforderungen und sich wandelnden Lebensentwürfen stellt Tschechien vor eine der größten gesellschaftspolitischen Aufgaben der kommenden Jahre.



