Ex-Feuerwehr-Chef bricht Schweigen: Überlastung im Ehrenamt zwang zum Rücktritt
Nach monatelangem Schweigen hat sich Norbert Rieger, der ehemalige Kreiswehrführer der Mecklenburgischen Seenplatte, erstmals öffentlich zu den Gründen für seinen überraschenden Rücktritt geäußert. Der Pensionär nutzte die Wahl seines Nachfolgers am Wochenende in Demmin, um reinen Tisch zu machen und mehrere Beweggründe für seinen Schritt darzulegen.
Bittere Erkenntnis nach acht Jahren im Amt
„Irgendwann hatte ich das Gefühl, als Kreiswehrführer nicht mehr ausreichend wahrgenommen und als Partner betrachtet zu werden”, erklärte Norbert Rieger auf der Versammlung. Der erfahrene Feuerwehrmann schilderte, wie sich seine Situation über die Jahre zunehmend verschlechtert hatte. „Hilfe von außen habe ich zuletzt nicht mehr bekommen. Mein Freundeskreis ist geschrumpft. Die Feuerwehr wurde zu meinem einzigen Hobby.”
Rieger beschrieb seine Amtszeit als eine Phase permanenter Überlastung: „Die letzten acht Jahre waren ein Leben auf der Überholspur, Dauerstress und viele, zu viele Kompromisse im Leben. Das konnte so nicht weitergehen.” Obwohl er mehrere Gründe für seinen Rücktritt nannte, konnte er keinen einzelnen als ausschlaggebend benennen – vielmehr handelte es sich um eine Kumulation verschiedener Belastungsfaktoren.
Das Ehrenamt als schwere Bürde
Für Rieger kam ein einfaches Weitermachen nicht in Frage. „Es ist auch nicht mein Anspruch, halbe Sachen zu machen”, betonte der ehemalige Kreiswehrführer. Er verwies auf seine Verantwortung gegenüber seiner Familie, dem Feuerwehrverband und dem gesamten Landkreis, die er nicht länger unter den gegebenen Umständen wahrnehmen konnte.
Auch Landrat Heiko Kärger von der CDU räumte während der Versammlung ein, dass es im alltäglichen Austausch durchaus Reibungspunkte gegeben habe. Dennoch beschrieb er die Beziehung zwischen Bürgern, Feuerwehr und Behörden als eine große Familie. Gleichzeitig richtete er einen deutlichen Appell an Vertreter der Landesregierung: „Die bisherigen Unterstützungen reichen bei weitem nicht aus. Der Bestand an alten Fahrzeugen ist einfach zu groß.”
Neue Führung für die Kreisfeuerwehr
Mit Riegers Rücktritt übernimmt nun Enrico Kollhoff von der Freiwilligen Feuerwehr Carpin die Führung der Kreiswehr. Er setzte sich auf der Jahreshauptversammlung gegen seinen Mitstreiter Stephan Drews durch und tritt damit in die Fußstapfen seines Vorgängers. Die Wahl markiert einen Neuanfang für die Feuerwehr der Mecklenburgischen Seenplatte, die weiterhin mit strukturellen Herausforderungen zu kämpfen hat.
Riegers Offenlegung der Rücktrittsgründe wirft ein Schlaglicht auf die oft unterschätzten Belastungen im Ehrenamt, insbesondere in verantwortungsvollen Positionen der Feuerwehr. Seine Schilderungen machen deutlich, dass kontinuierliche Überlastung und mangelnde Unterstützung selbst engagierte Führungskräfte an ihre Grenzen bringen können.



