Feuerwehren in Not: Tagsüber fehlen Helfer - Ehrenamtliche dringend gesucht
Wenn in Sternberg die Sirenen ertönen, rücken die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr unverzüglich aus, um in Notfällen zu helfen. Doch hinter dieser zuverlässigen Einsatzbereitschaft verbirgt sich ein wachsendes Problem: Der akute Mangel an verfügbaren Helfern, insbesondere während der Tagesstunden. Die Feuerwehr Sternberg zählt derzeit 76 Mitglieder, von denen jedoch nur 37 aktiv im Dienst sind.
Tagesverfügbarkeit als kritischer Engpass
Wehrführer Eckardt Meyer macht deutlich: „Das Problem ist die Verfügbarkeit am Tage. Die ist einfach zu gering.“ Im Durchschnitt stehen tagsüber lediglich sieben bis zehn Kameraden für Einsätze bereit. Diese eingeschränkte Personaldecke stellt die Wehren vor erhebliche Herausforderungen, da viele Mitglieder aufgrund ihrer beruflichen Verpflichtungen nicht kurzfristig ausrücken können.
Dieser Engpass hat direkte Auswirkungen auf die Alarmierungsstrategie. Bei vermeintlich kleineren Vorfällen werden häufig mehrere Feuerwehren im Umkreis gleichzeitig alarmiert. Ein computergestütztes System errechnet anhand statistisch erfasster Verfügbarkeitsdaten, wie viele Helfer zum Zeitpunkt des Alarms wahrscheinlich vor Ort sein werden und leitet entsprechende Alarmierungen an benachbarte Wehren weiter.
System kompensiert, aber löst das Problem nicht
Die mangelnde Personaldecke kann durch technische Systeme zwar teilweise kompensiert, jedoch nicht grundlegend behoben werden. Die einzige nachhaltige Lösung liegt in der Gewinnung neuer ehrenamtlicher Kameraden, die bereit sind, sich für ihre Mitbürger einzusetzen. Wehrführer Meyer betont: „Es gibt keine Altersbeschränkung, jeder kann mitmachen.“ Selbst Menschen ohne vorherige Feuerwehr-Erfahrung sind willkommen.
Das Engagement muss nicht zwangsläufig an der Einsatzstelle erfolgen. Auch handwerklich begabte Personen, die Geräte warten, oder Fahrer werden dringend benötigt. Meyer ermutigt Interessierte: „Wenn jemand das ausprobieren möchte und nach einem halben Jahr merkt, dass das doch nichts für ihn ist, ist das nicht schlimm. Aber wer den Versuch nicht macht, der weiß nie, was dahintersteckt.“
Kameradschaft und moderne Ausstattung
Der Feuerwehrdienst ist zweifellos ein forderndes Ehrenamt, das Flexibilität und Hilfsbereitschaft erfordert. Doch die Kameradschaft und das Gemeinschaftsgefühl tragen maßgeblich zum Erfolg der Einsätze bei. Moderne Technik und Sicherheitssysteme in den Fahrzeugen haben die Arbeit der Feuerwehren deutlich verbessert, und die Aus- und Weiterbildungen werden professionell durchgeführt.
Der ideale Einstieg beginnt oft bereits in jungen Jahren. Kinder können ab sechs Jahren der Kinder- und Jugendfeuerwehr beitreten – in Sternberg sind derzeit 17 Nachwuchskräfte aktiv. Mit 16 Jahren und entsprechender Qualifikation ist der Wechsel in den aktiven Dienst möglich. Dieser Nachwuchs ist essenziell für die traditionsreiche Feuerwehr, die seit 1882 in Sternberg besteht und auch zukünftig Menschen in Not helfen will.



