Sternenkinder-Fotografie in Neustrelitz: Ein Ehrenamt voller Mitgefühl
Juliana Welzk aus Neustrelitz erlebt in ihrem Berufsalltag als Fotografin viele glückliche Momente voller Lebensfreude. Doch neben ihrem Fotostudio Lichtblicke im Neustrelitzer Gewerbegebiet übernimmt die 38-Jährige eine besonders sensible ehrenamtliche Aufgabe: Sie ist als Sternenkind-Fotografin registriert und steht Familien in ihren traurigsten Stunden bei, wenn das ersehnte Babyglück tragisch endet.
Ein Berufsweg mit prägender Begegnung
Vor fünf Jahren kam Juliana Welzk erstmals mit dem Thema Sternenkinder in Berührung. Während eines Einsatzes als Baby-Fotografin wurde sie auf der Station gefragt, ob sie sich auch eines kurz zuvor geborenen Sternenkindes annehmen könne. Sie sagte zu und erlebte eine Begegnung, die sie bis heute tief bewegt. „Da hat mich der Boden verschlungen“, erinnert sie sich an das winzige Wesen, das viel zu früh in der 13. Schwangerschaftswoche zur Welt kam. Selbst in diesem frühen Stadium erkannte sie „einen komplett kleinen Menschen“, dem das Licht der Welt versagt blieb.
Als selbst Mutter erlebte sie neben dem unermesslichen Schmerz der Eltern auch die tiefe Dankbarkeit für ihr eigenes gesundes Kind. Diese Erfahrung ließ sie nicht mehr los und wurde zum Auslöser für ihr heutiges Engagement.
Vom Tabuthema zur unterstützenden Initiative
Juliana Welzk stellt fest, dass das Thema Sternenkinder in der Gesellschaft oft tabuisiert wird und das Leiden der betroffenen Familien übersehen wird. „Das war doch nur ...“ bekämen Eltern zu hören, die früh in der Schwangerschaft ihr Kind verloren haben. Vielen falle es schwer, über den Verlust und die Trauer zu sprechen, und viele wüssten nicht um ihr Recht auf einen würdevollen Abschied.
Gemeinsam mit mehreren Partnern aus der Seenplatte arbeitet sie an einem filmisch-dokumentarischen Projekt mit Informationen und Unterstützung für Sterneneltern. „Es erfordert viel Zeit und Aufklärung, damit betroffene Eltern spüren: Sie sind damit nicht allein“, erklärt die Fotografin. „Wir können nicht die Gesellschaft ändern, aber diesen Familien zur Seite stehen.“ Auch Selbsthilfegruppen in Neubrandenburg und Neustrelitz verfolgen dieses Ziel.
Strukturiertes Netzwerk für sensible Einsätze
Deutschlandweit sind mehrere hundert Menschen als ehrenamtliche Sternenkind-Fotografen registriert. Über eine spezielle Alarm-App werden Anfragen von Eltern oder Kliniken je nach Einzugsgebiet veröffentlicht. Ein nächstgelegener Mitstreiter übernimmt dann die Aufgabe. Juliana Welzk hat die Kliniken in Neustrelitz, Neubrandenburg und Waren in ihrem Wirkungsbereich.
In einem Mentoring der Organisation wurden ihr Abläufe und Regularien vermittelt. Das fotografische und mentale Rüstzeug bringen die Ehrenamtlichen selbst mit. „Man kann diese Situation nicht planen“, weiß Juliana Welzk. „Die tritt ein, während man gerade mit völlig anderen Dingen befasst ist.“
Persönliche Stärke für emotionale Herausforderungen
Eine starke Verbindung in der eigenen Familie hilft der 38-Jährigen, sich für die emotionalen Herausforderungen ihres Ehrenamtes zu wappnen. Wer diese Aufgabe übernehme, dürfe nicht unter der Last der Trauernden zusammenbrechen. Angst davor habe sie nicht, aber umso mehr Respekt vor ihrer Verantwortung und den Gefühlen der Sterneneltern.
Die entstandenen Fotos werden den Familien sowohl in einer speziellen Box als auch auf einem Stick übergeben. Manchmal vergeht viel Zeit, bis die Eltern imstande sind, sie anzuschauen. Doch wenn es soweit ist, gibt es dann dieses besondere Lebenszeichen eines kleinen Menschen, der nicht mehr da ist, aber für immer zur Familie gehört.



