Es ist ein Moment, der sich eingebrannt hat. „Ich spüre das heute noch körperlich“, sagt Elke Schwabe. Die 70-Jährige erinnert sich an den Tag, an dem sie ihre einjährige Tochter in der DDR im Kindergarten abgeben musste. Die Tür fällt zu, das Kind schreit dahinter. Sie steht draußen und muss gehen. „Es war einfach ganz, ganz furchtbar. Eine schreckliche Zeit.“
Heute trifft sie auf Julie Tan, eine Influencerin und Mutter, die für mehr Verständnis für Eltern wirbt. Die beiden diskutieren über den Wandel der Erziehung – von strengen Strukturen hin zu mehr Einfühlungsvermögen. „Früher hieß es: Das Kind muss sich anpassen. Heute fragen wir: Was braucht das Kind?“, erklärt Tan.
Der Kita-Alltag früher und heute
In der DDR war die Eingewöhnung kurz und schmerzhaft. „Nach drei Tagen musste das Kind allein bleiben“, erinnert sich Schwabe. Heute dauert die Eingewöhnung oft Wochen, mit viel Zeit für Bindung und Vertrauen. „Das ist ein großer Fortschritt“, sagt Tan. Doch sie betont auch die Herausforderungen: „Viele Eltern fühlen sich unsicher, weil sie keine klaren Vorgaben haben.“
Ein Moment der Verunsicherung
Besonders ein Thema bewegt beide: der Abschied am Kita-Tor. „Wenn das Kind weint, ist das für Eltern furchtbar“, sagt Schwabe. „Aber wir wussten damals: Es ist okay, es wird schon.“ Tan widerspricht: „Heute wissen wir, dass Trost wichtig ist. Ein Kind lernt nicht durch Härte, sondern durch Geborgenheit.“ Die Diskussion zeigt, wie sehr sich die Erziehung verändert hat – und dass beide Seiten ihre Berechtigung haben.
Am Ende umarmen sich die beiden. „Wir haben beide das Beste für unsere Kinder gewollt“, sagt Schwabe. „Nur die Mittel waren anders.“



