Deutsche Familie flieht vor Jugendamt nach Polen: Zwei Jahre im Exil für den Zusammenhalt
Familie flieht vor Jugendamt nach Polen: Zwei Jahre Exil

Deutsche Familie im polnischen Exil: Flucht vor dem Jugendamt

Eine deutsche Familie hat mit ihren zwei Kindern vor über zwei Jahren ihr Heimatland verlassen und ist nach Polen geflohen – aus Angst vor dem deutschen Jugendamt. Die Behörden hatten angeordnet, die Kinder in Obhut zu nehmen. Seitdem leben Monika und Daniel Mori mit ihren Kindern Sophie (13) und Joel (16) in der polnischen Kleinstadt Bytòw in der Nähe der Ostsee. Aus Sicht deutscher Behörden ist ihr Aufenthalt illegal.

Ein Gutachten als Wendepunkt

Die Familie hatte sich während der Corona-Pandemie selbst ans Jugendamt gewandt, nachdem es zu häuslichen Streitigkeiten gekommen war. Auch anonyme Meldungen von Nachbarn über Gewalt unter den Eltern waren eingegangen. Die Kinder wurden vorübergehend in ein Kinderheim gebracht. Nach vier Monaten intensiver Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und einer Paarberatung durften die Kinder zurückkehren.

Doch drei Jahre später änderte sich alles: Ein neues Gutachten bezeichnete die Eltern als erziehungsunfähig und führte zu einer erneuten Inobhutnahme-Anordnung, diesmal ohne zeitliche Begrenzung. „Dieses Gutachten hat uns hilflos gemacht. Es hat uns sämtlicher Stimme beraubt“, erklärt Daniel Mori.

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Die Flucht nach Polen

Die Familie reiste unter dem Vorwand eines Urlaubs nach Polen und kehrte nicht zurück. „Ich war davon überzeugt, dass wenn wir zurückgehen, sie uns alles wegnehmen“, sagt Monika Mori. „Die Familie sollte zerstört werden und das musste um jeden Preis verhindert werden.“

Die deutschen Behörden wandten sich an polnische Stellen, die die Kinder zunächst bei einer Pflegemutter unterbrachten. Doch ein Gericht in Danzig entschied überraschend anders als das deutsche Gericht in Straubing: Sophie und Joel durften bei ihren Eltern bleiben und in Polen zur Schule gehen.

Polnische Behörden sehen keine Probleme

Der polnische Anwalt der Familie, Pawel Szmurło, erklärt: „Ich habe die Unterlagen gesichtet und die waren überraschend, weil eigentlich alles gut für die Familie Mori lief. Alle Experten äußerten sich positiv.“ Entscheidend sei gewesen, dass es den Kindern gut gehe und man in Polen keinerlei Auffälligkeiten festgestellt habe.

Die Perspektive der Kinder

Die Kinder haben sich in Polen eingelebt, sind aber belastet von den Ereignissen in Deutschland. Sophie geht zweimal pro Woche zur Polnisch-Nachhilfe und vermisst deutsche Freunde. Joel (16) sagt: „Richtig gehört wurde ich das erste Mal in Polen.“ Beide sind froh, bei ihren Eltern bleiben zu dürfen.

Verfahren noch nicht abgeschlossen

Das Oberlandesgericht Nürnberg teilt mit, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei. Die deutschen Behörden bestehen auf einer Anhörung der Kinder auf deutschem Boden – für die Familie ein undenkbarer Schritt aus Angst vor erneuter Inobhutnahme.

Inzwischen gibt es einen kleinen Fortschritt: Die Kinder sollen nun über Videoschalte von deutschen Behörden angehört werden. Die Eltern arbeiten im Homeoffice für deutsche Firmen und hoffen auf eine Lösung, die ihnen Besuche in Deutschland ermöglicht, ohne ihre Kinder zu gefährden.

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Während Jugendämter täglich tausende Kinder vor Misshandlung schützen müssen, zeigt dieser Einzelfall, wie unterschiedlich Behörden in verschiedenen Ländern dieselbe Situation bewerten können. Für Sophie und Joel geht es jetzt vor allem um Stabilität und eine Perspektive – egal wo.

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