Kinder als Investitionsprojekt? Eine gesellschaftliche Fehlkalkulation
In einer Zeit, in der alles durchoptimiert wird – Karriere, Freizeit, Altersvorsorge – stellt sich eine grundlegende Frage: Wann genau ist aus einem Kind ein Investitionsprojekt geworden? Diese provokante Frage wirft Dennis Lootze, News-Designer bei BILD, in seinem aktuellen Beitrag auf.
Die absurde Rechnung: 25.200 Euro als Entscheidungsgrundlage
Konkret bezieht sich Lootze auf ein Akademikerpaar mit einem monatlichen Haushaltsbruttoeinkommen von über 14.000 Euro, das behauptet, sich ein Kind ohne staatliche Hilfe finanziell nicht leisten zu können. Der Höchstsatz des Elterngeldes beträgt 1.800 Euro pro Monat für maximal 14 Monate – also insgesamt 25.200 Euro. Kindergeld und Steuerfreibeträge sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.
"Diese Summe soll bei einem Jahreseinkommen von 171.600 Euro tatsächlich den Ausschlag geben, ob man sich für oder gegen ein Kind entscheidet?", fragt Lootze mit spürbarem Unverständnis.
Kinder sind kein Excel-Faktor
Natürlich kosten Kinder Geld. Sie kosten Zeit, Schlaf, Nerven und Freiheit. Doch Lootze betont mit Nachdruck: Kinder sind kein Leasingvertrag, kein Kostenfaktor in einer Excel-Tabelle und kein Luxusgut für 'wenn es perfekt passt'.
Was den Autor wirklich irritiert, ist der gesellschaftliche Trend zur Maximierung von Sicherheit und Kalkulierbarkeit in allen Lebensbereichen. "Doch Leben entsteht nicht aus maximaler Sicherheit, sondern aus Mut. Aus Vertrauen. Aus Liebe", schreibt er.
Die eigentliche Frage: Geld oder Angst?
Lootze stellt die provokante These auf: Wer mit einem Einkommen weit über dem Durchschnitt argumentiert, es sei "nicht möglich", sollte sich vielleicht fragen, ob wirklich das Geld das Problem ist oder ob es nicht vielmehr die Angst ist, Kontrolle abzugeben.
Zwar kosten Kinder bis zum 18. Lebensjahr statistisch weit über 180.000 Euro. Doch der Autor betont: Sie sind kein finanzieller Verlust, sondern ein Gewinn, der sich nicht auf dem Kontoauszug zeigt. Sie sind Verantwortung, Zukunft, Sinn und im besten Fall die Krönung der Liebe zweier Menschen.
Ein Appell für einen neuen gesellschaftlichen Blick
Der Beitrag endet mit einem klaren Appell: "Vielleicht sollten wir als Gesellschaft endlich wieder anfangen, Kinder nicht als Risiko, sondern als Reichtum zu begreifen". Lootze unterzeichnet mit dem Hinweis, selbst verheiratet zu sein, ein Haushaltsbruttoeinkommen unter 14.000 Euro zu haben und glücklicher, liebevoller Papa zweier Kinder zu sein.
Die Diskussion, die durch zahlreiche Leserbriefe und interne Debatten angestoßen wurde, zeigt einen grundlegenden Wertewandel in unserer Gesellschaft auf. Anstatt Kinder als Bereicherung zu sehen, werden sie zunehmend durch die Brille ökonomischer Kalkulation betrachtet – eine Entwicklung, die der Autor als "arg verschroben" kritisiert.



