Kindergeld-Automatisierung: Kabinett beschließt vereinfachte Auszahlung für Familien
Die Bundesregierung hat einen bedeutenden Schritt zur Entlastung von Familien mit kleinen Kindern eingeleitet. Das Kabinett in Berlin hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der vorsieht, dass Kindergeld in vielen Fällen künftig ohne Antrag automatisch ausgezahlt wird. Diese Maßnahme zielt darauf ab, unnötige Bürokratie zu reduzieren und Eltern in der aufregenden Zeit nach der Geburt zu unterstützen.
Finanzminister Klingbeil: "Moderner Staat für die Menschen"
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) betonte die Bedeutung dieser Reform: "Wir wollen einen modernen Staat, der für die Menschen da ist. Auf dem Weg dahin sind wir heute wieder einen Schritt weitergekommen. Eltern sollen sich in der aufregenden Zeit nach der Geburt voll und ganz auf ihr Baby konzentrieren können, statt sich mit unnötigem Papierkram herumzuschlagen." Das Finanzministerium rechnet damit, dass durch die Automatisierung im Jahr etwa 300.000 Anträge wegfallen werden.
Stufenweise Einführung ab März 2027
Das neue Verfahren soll in zwei Schritten implementiert werden. In einer ersten Stufe, voraussichtlich ab März 2027, werden Eltern, die bereits ein älteres Kind haben, das Kindergeld automatisch erhalten. Ab November 2027 könnten dann auch Eltern, die ihr erstes Kind bekommen, von der Antragspflicht befreit werden. Voraussetzungen für die automatische Auszahlung sind:
- Mindestens ein Elternteil lebt gemeinsam mit dem Kind in Deutschland
- Mindestens ein Elternteil ist in Deutschland erwerbstätig
- Die Behörden verfügen über eine bekannte Kontoverbindung (IBAN)
Die Kontoverbindung kann bereits heute über die Bank oder das Steuerportal Elster gemeldet werden. Das Kindergeld beträgt derzeit unabhängig vom Einkommen 259 Euro pro Monat und Kind und wird an die Person ausgezahlt, die das Kind regelmäßig versorgt.
Ausnahmen für komplexe Fälle
Für bestimmte Familienkonstellationen bleibt die Antragspflicht vorerst bestehen. Dies gilt beispielsweise für Eltern mit erstem Kind, die Bürgergeld beziehen, oder für Eltern, die im Ausland leben, aber in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig sind. Diese Familien erhalten weiterhin ein Begrüßungsschreiben der Familienkasse, das über einen QR-Code zu einem vorausgefüllten Antrag führt. Dieser muss dann individuell ergänzt und eingereicht werden.
Die geplante Reform stellt einen wichtigen Meilenstein in der Familienpolitik dar und unterstreicht das Bestreben der Regierung, administrative Hürden abzubauen und Familien gezielt zu entlasten. Die schrittweise Umsetzung ab 2027 soll eine reibungslose Transition gewährleisten und gleichzeitig die Bedürfnisse aller betroffenen Familien berücksichtigen.



