Gunnar Schupelius: Eltern in der Pflicht – Nicht Social Media ist das Problem, sondern Erziehung
Schupelius: Eltern in der Pflicht – Nicht Social Media ist Problem

Debatte um Social-Media-Verbote: Gunnar Schupelius sieht Eltern in der Verantwortung

In der aktuellen politischen Diskussion wird der Ruf nach gesetzlichen Verboten der Nutzung sozialer Medien wie Instagram und TikTok für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren immer lauter. Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich dieser Woche dieser Forderung angeschlossen, und die CDU Schleswig-Holstein beantragte auf dem Bundesparteitag in Stuttgart ein entsprechendes Verbot. Die Sorge ist weit verbreitet, dass junge Menschen in den digitalen Welten versinken und manipuliert werden könnten.

Internetgefahren gehen weit über soziale Medien hinaus

Doch bei dieser Fokusierung auf Social-Media-Plattformen wird ein entscheidender Punkt übersehen: Das Internet birgt zahlreiche weitere Gefahren, die für alle Altersgruppen frei zugänglich sind. Pornografische Inhalte und Gewaltdarstellungen sind im Netz allgegenwärtig und haben verheerende Auswirkungen auf die Entwicklung Heranwachsender.

Eine repräsentative bundesweite Umfrage unter 3000 Jugendlichen im Dezember 2025 ergab alarmierende Zahlen: Fast die Hälfte der 11- bis 17-Jährigen hat bereits Pornografie konsumiert. Innerhalb von nur zwei Jahren ist dieser Anteil von 35 auf 47 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung beeinflusst die sexuelle Entwicklung der Jugendlichen extrem negativ.

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„Das Internet ist die reine Hölle“, so die drastische Beschreibung des Problems. „Es ist, als ob wir unsere Kinder in den Puff oder zum Massaker schicken würden.“

Verantwortung liegt bei Eltern und Erziehern

Ein Verbot sozialer Medien allein – selbst wenn es technisch durchsetzbar wäre – reicht nicht aus, um Kinder und Jugendliche vor den Gefahren des Internets zu schützen. Diese Aufgabe können nur Eltern, Lehrer und Erzieher übernehmen. Sie müssen klare Regeln setzen, die Nutzung kontrollieren und sich aktiv mit der Mediennutzung ihrer Kinder auseinandersetzen.

Doch genau hier liegt das Kernproblem: Viele Erwachsene sind mit dieser Aufgabe überfordert. Eltern sind oft nicht zu Hause, wenn ihre Kinder stundenlang am Smartphone hängen, und Erzieher in Horten sind durch Personalmangel und hohe Arbeitsbelastung überlastet. Die Bereitschaft, sich konsequent durchzusetzen und Verantwortung zu übernehmen, fehlt häufig.

Bestehende Regulierungen zeigen wenig Wirkung

Die Hoffnung, dass neue staatliche Verbote das Problem lösen könnten, erweist sich als trügerisch. Instagram ist nach den aktuellen Nutzungsbedingungen bereits erst ab 13 Jahren freigegeben und für Jugendliche bis 16 Jahren gesondert reglementiert. Diese Maßnahmen zeigen jedoch kaum Wirkung, da sie leicht umgangen werden können.

Die entscheidende Erkenntnis lautet: Ohne das aktive Engagement der Erwachsenen sind alle gesetzlichen Regelungen wirkungslos. Wenn Eltern und Erzieher ihrer Verantwortung nicht nachkommen, bleiben Kinder und Jugendliche den Gefahren des Internets schutzlos ausgeliefert.

Die Debatte muss sich daher von der Forderung nach weiteren Verboten hin zu einer Diskussion über konkrete Unterstützungsangebote für Eltern und pädagogisches Personal verlagern. Nur durch Aufklärung, Begleitung und konsequente Erziehung können junge Menschen lernen, verantwortungsvoll mit digitalen Medien umzugehen.

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