Familientherapeutin aus Magdeburg: Wie Kinder die Trennung ihrer Eltern verarbeiten
Trennung der Eltern: Wie Kinder in verschiedenen Altersstufen reagieren

Wenn Eltern sich trennen: Wie Kinder in verschiedenen Altersstufen reagieren

Jede dritte Ehe in Deutschland wird laut Statistischem Bundesamt geschieden – im Durchschnitt nach etwa fünfzehn Ehejahren. In Sachsen-Anhalt waren im Jahr 2024 bei knapp 1.700 der insgesamt 3.029 Ehescheidungen gemeinsame Kinder betroffen, wie das Statistische Landesamt mitteilt. Während für Erwachsene eine Trennung oft einen Neuanfang bedeutet, gerät für Kinder die vertraute Welt ins Wanken.

Erste Schritte bei einer Trennung mit Kindern

„Als Paar sind wir gescheitert – Trennungseltern bleiben wir“, betont Janine Neubauer, systemische Familientherapeutin und Verfahrensbeiständin aus Magdeburg. Diese Maxime sollte laut der Expertin leitend sein, wenn Eltern auseinandergehen. Kinder reagieren auf die Nachricht einer Trennung häufig mit Überraschung und Angst. Typische Reaktionen umfassen Traurigkeit, Wut oder besonders anhängliches Verhalten.

Die Familientherapeutin erklärt: „Wie geht es weiter? Was passiert mit uns? Werden sich die Eltern noch mehr streiten? Das sind Fragen, die Kinder sehr oft beschäftigen.“ Eine Trennung bedeutet für gemeinsame Kinder enorme Unsicherheit. Daher ist es entscheidend, dass Eltern in dieser sensiblen Phase nicht nur physisch, sondern auch emotional verfügbar sind und die Situation altersgerecht erklären.

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Altersspezifische Verarbeitung von Trennungen

Grundsätzlich gilt: Je jünger Kinder sind, desto weniger verstehen sie die Situation, zeigen jedoch aufgrund des fehlenden Langzeitgedächtnisses oft keine bleibenden Spuren. Wichtiger als das Alter ist ein respektvoller Umgang der Eltern miteinander. Das Portal Scheidung.de ordnet die wichtigsten Auswirkungen nach Altersgruppen:

  • Baby- und Kleinkindalter (0-3 Jahre): Die Trennung wird oft gut verkraftet, wenn ein Elternteil als Hauptbezugsperson erhalten bleibt. Es besteht jedoch das Risiko, dass das Urvertrauen leidet.
  • Kindergartenalter (3-6 Jahre): Kinder entwickeln häufig Schuldgefühle und glauben, die Trennung verursacht zu haben. Sie benötigen Sicherheit und Beständigkeit.
  • Schulalter (6-12 Jahre): Kinder verstehen die Trennung besser, leiden aber oft stärker unter Loyalitätskonflikten. Sie können sich jedoch bereits in die Situation einfühlen.
  • Jugendliche (ab 12 Jahren): Teenager verstehen die Zusammenhänge rational, können aber eigene Zukunftsängste oder Bindungsängste entwickeln.

Warnzeichen erkennen und professionelle Hilfe suchen

Kinder leiden besonders unter dauerhaften Spannungen und Diskussionen zwischen den Eltern. „Der größte Indikator dafür, dass es meinem Kind nicht gut geht, ist, wenn sich etwas verändert“, erklärt Neubauer. Eltern sollten auf Verhaltensänderungen achten. Bei kleineren Kindern kann es zu Rückfällen in Kleinkindverhalten kommen:

  1. Bettnässen
  2. Alpträume
  3. Psychosomatische Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen

Hinter solchen Symptomen kann jedoch auch Stress in der Schule oder Ärger mit Freunden stecken. Nachfragen ist laut der Expertin entscheidend. Eine Grenze ist erreicht, wenn Lehrer oder Erzieher das Gespräch suchen. Dann sollten Eltern Hilfsangebote ernst nehmen und mit dem eigenen Bauchgefühl abgleichen.

Unterstützungsmöglichkeiten für Trennungskinder

Kinder benötigen in dieser Zeit vor allem Orientierung, Zuversicht und Gespräche. Mögliche Hilfen umfassen:

  • Entlastungsgespräche für das Kind bei Familienberatungsstellen
  • Kostenfreie Beratung zum Umgang und Sorgerecht beim Jugendamt
  • Neutrale Gespräche im Rahmen familiengerichtlicher Verfahren
  • Unterstützung durch ausgebildete Bezugspersonen in Kindergarten oder Schule
  • Hilfe durch den Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV)

Bei hohem Leidensdruck können Kinder- und Jugendlichentherapeuten in Sachsen-Anhalt eine Anlaufstelle sein, wobei die Wartezeit derzeit etwa ein Jahr beträgt.

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Bücher als Kommunikationsbrücke

Bücher können in dieser schwierigen Zeit als Stütze dienen. Erziehungswissenschaftlerin Ute Steffens möchte mit ihrem Bilderbuch „Jakob kann zaubern“ (Carlsen Verlag, 2023) drei- bis achtjährige Trennungskinder begleiten und vermitteln, dass Kinder niemals die Schuld an einer Trennung tragen.

Autorin Ilona Einwohlt hat mit „Zicke zacke Trennungskacke – und wie du da durchkommst“ (Carlsen Verlag, 2022) ein Buch für acht- bis zwölfjährige Kinder geschrieben, das Werkzeuge zur Selbsthilfe bietet und verschiedene Betreuungsmodelle erklärt. Familientherapeutin Neubauer betont jedoch: „Eltern sollten nicht die Erwartung haben: Ich schenke dem Kind das Buch, und damit hat es jetzt etwas.“ Stattdessen sollten Eltern die Bücher selbst lesen, um die Perspektive der Kinder besser zu verstehen und Kommunikationsbrücken zu bauen.