Alice Schwarzer: Junge Frauen heute stärker unter Druck als in den 70er Jahren
Alice Schwarzer: Junge Frauen heute stärker unter Druck

Alice Schwarzer: Junge Frauen heute stärker unter Druck als in den 70er Jahren

Die 83-jährige Feministin Alice Schwarzer hat bei der Vorstellung ihres neuen Buchs „Feminismus pur. 99 Worte“ in einem Berliner Kino vor etwa 400 Gästen eine deutliche Einschätzung abgegeben. Aus ihrer Sicht haben junge Frauen heutzutage im Kampf um Gleichberechtigung und Frauenrechte schwerer als ihre Generation in den 1970er Jahren. Zwar verfügten sie in ihrer Lebensführung über scheinbar freie Wahl, doch die Rollenzwänge seien heute stärker ausgeprägt als damals.

Soziale Medien und schädliche Schönheitsideale

Schwarzer betonte, dass es in den 70er Jahren beispielsweise keine Influencerinnen gegeben habe, die schädliche Schönheitsideale bewerben und bei vielen Mädchen Selbstzweifel sowie Unsicherheit einpflanzen würden. Viele junge Frauen wollten Subjekt und Objekt zugleich sein – und säßen damit bereits in der Falle. Die Publizistin und Gründerin der Zeitschrift „Emma“ verteidigte dagegen den „wahren Feminismus“, bei dem es darum gehe, „erhobenen Hauptes dem anderen Geschlecht gegenüberzutreten“ und sich niemandem anzubiedern.

Neues Buch zieht Bilanz des Engagements

Ihr neues Buch zieht eine umfassende Bilanz ihres jahrzehntelangen Engagements für Frauenrechte. Genau 99 Begriffen widmet die wohl bekannteste Feministin Deutschlands je eine Buchseite – von A wie Arbeit und Alter über I wie Influencerinnen und Islamismus, M wie MeToo bis hin zu R wie Rassismus oder S wie Sexualität. Schwarzer ist Autorin beziehungsweise Herausgeberin von insgesamt 48 Büchern.

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Proteste aus der queeren Szene

Vor der Lesung kam es zu Protesten von etwa 40 queeren Feministinnen und Feministen. In ihrem Aufruf zur Demonstration vor dem Kino hieß es, Schwarzer hetze gegen Transpersonen und verbreite falsche Informationen über sie. Zudem werfen die Demonstranten ihr vor, „rassistischen Müll“ zu verbreiten. Empörung hatte zuletzt auch wohlwollend klingende Worte Schwarzers über AfD-Chefin Alice Weidel im „Spiegel“ ausgelöst. Schwarzer betonte nun, diese seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Sie stehe politisch links und habe in ihrem ganzen Leben noch nicht den Verdacht erweckt, mit einer rechten Partei zu sympathisieren.

Position zum Ukraine-Krieg

Zum vierten Jahrestag des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine bekräftigte Schwarzer ihre umstrittene Forderung, dass Deutschland umgehend seine Waffenlieferungen an die Regierung in Kiew einstellen sollte. Der Krieg werde nicht auf dem Schlachtfeld, sondern in Verhandlungen beendet. Fakt sei, dass die kleine Ukraine einer Atommacht gegenüberstehe. Ein gerechter Frieden sei daher „keine Frage der Moral, sondern der Macht“.

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