Alice Schwarzer öffnet sich zu privaten Lebensthemen
Alice Schwarzer, die mit 83 Jahren als Ikone der deutschen Frauenbewegung gilt, hat in einem aktuellen Interview überraschend private Einblicke gewährt. Im Gespräch mit BILD sprach die Journalistin und Autorin offen über ihre Entscheidung gegen das Muttersein und verriet dabei, dass der Gedanke an Kinder in ihrer Jugend durchaus präsent war.
Die erste große Liebe und konservative Gedanken
Schwarzer erinnerte sich an ihre erste bedeutende Beziehung mit Bruno aus Paris, die 1964 begann und zehn Jahre andauerte. „Ein kluger, witziger, feiner Mann, der mich nicht einengte. Der beste Partner, den man haben kann“, schwärmte die Feministin rückblickend. Obwohl sie die Vorstellung einer traditionellen Hochzeit im weißen Brautkleid stets ablehnte – „bloß nicht spießig sein“ – gestand sie: „Natürlich habe auch ich gedacht, ich habe eines Tages ein Kind.“
Die Journalistin hatte sogar bereits Namen für ein mögliches Kind im Kopf und diskutierte diese Möglichkeit mit ihrem damaligen Partner. Doch in der aufstrebenden Phase der Frauenbewegung beobachtete sie bei befreundeten Müttern die enormen Schwierigkeiten, Kindererziehung mit anspruchsvoller Berufstätigkeit zu vereinbaren. „Wie dringlich ist mir das eigentlich?“, fragte sich Schwarzer damals selbstkritisch.
Eine bewusste Entscheidung ohne Reue
Nach reiflicher Überlegung kam die Feministin zu der Erkenntnis, dass der Kinderwunsch bei ihr nicht aus einem tiefen persönlichen Bedürfnis entsprang. „Dann ist mir klargeworden, dass das gar nicht so sehr ein persönlicher Wunsch ist“, erklärte Schwarzer. Bis heute bereue sie diese Entscheidung nicht, „im Gegenteil“.
Dennoch betonte die Autorin, die aktuell ihr neues Buch „Feminismus pur. 99 Worte“ veröffentlicht hat, dass sie bis heute ein gutes Verhältnis zu Kindern pflegt. „Ich habe ein gelassenes Verhältnis mit Kindern und die mit mir“, so die 83-Jährige.
Partnerschaft mit Bettina Flitner
Seit vier Jahrzehnten ist Alice Schwarzer mit der Fotografin Bettina Flitner (64) liiert, die sie als ihre „Lebensgefährtin“ bezeichnet. Die beiden Frauen heirateten 2018, doch Schwarzer vermeidet bewusst den Begriff „meine Frau“. „Sie gehört mir ja nicht, ist eine eigene Persönlichkeit“, begründete die Feministin diese Wortwahl, die ihrer Ansicht nach besser zu Flitners Esprit, Humor und Lebensstil passt.
Das Interview zeigt eine Seite der bekannten Frauenrechtlerin, die vielen bisher unbekannt war: eine reflektierende Frau, die bewusste Lebensentscheidungen traf und diese bis heute vertritt, ohne dabei ihre menschliche Seite zu verleugnen.



