Rostocker Feministinnen organisieren Party zum Frauentag und brechen Tabus
Der Weltfrauentag am 8. März steht vor der Tür und in Rostock bereiten sich zwei engagierte Frauen auf ein besonderes Event vor. Die DJs Petra Brause und Anna Stahmer, beide aktive Mitglieder des feministischen Kollektivs "What A Feminist Sound Like", planen für den Vorabend des Frauentags eine Party im Peter-Weiss-Haus. Was als Feier geplant ist, wird gleichzeitig zu einer Plattform für wichtige gesellschaftliche Diskussionen.
Schutzräume in der Partyszene schaffen
"Wir wollen mit unseren Partys Räume schaffen, in denen Menschen sich frei bewegen können – ohne Blicke, Sprüche oder Übergriffe", erklärt Petra Brause mit Nachdruck. Die beiden Frauen sind seit der Gründung des Kollektivs vor knapp drei Jahren dabei und haben sich der Schaffung sicherer Feierumgebungen verschrieben. Die Party zum feministischen Kampftag bietet nicht nur Musik, sondern auch Kunst, Kultur und bewusst gestaltete Schutzräume.
Das Programm ist vielfältig und inklusiv gestaltet:
- Ein spezieller "Only-FLINTA-Floor", der ausschließlich Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen zum Tanzen einlädt
- Eine Drag-Show der bekannten Truppe "House of Fat"
- Karaoke im geschützten Rahmen, bei dem man nicht auf der Bühne stehen muss
- Tätowieraktionen durch talentierte Künstlerinnen
Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr, ab 22 Uhr werden die Tanzflächen geöffnet. "Unser Ziel ist es, nicht nur sichtbar zu machen, was für Probleme die Partyszene gerade für marginalisierte Gruppen bereithält, sondern auch diese aktiv zu lösen", betont Brause.
Die Herausforderungen der Partyszene
Die Feministinnen sehen mehrere Problembereiche in der aktuellen Partyszene. Ein zentrales Thema ist der Umgang mit Alkohol und Drogen, der sich geschlechtsspezifisch unterschiedlich äußert. "Der Überkonsum äußert sich in aller Regel ganz unterschiedlich bei Männern und Frauen", erklärt Anna Stahmer. Die geschützten Party-Räume sollen daher nicht nur einen respektvollen Umgang miteinander fördern, sondern auch einen verantwortungsbewussten Umgang mit Konsummitteln.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Wahrnehmung von Frauen in der Musikszene. Stahmer erinnert sich an ihre Anfänge: "Da waren noch bis vor wenigen Jahren bei Partys eigentlich immer nur Männer am DJ-Pult." Wenn dann doch einmal eine Frau auflegte, wurde sie oft als "DJane" bezeichnet – ein Begriff, den Stahmer heute noch als problematisch empfindet.
Warum "DJane" sexistisch ist
"Im Englischen gibt es diesen Genderwahnsinn nicht", argumentiert Stahmer. Das Wort DJ sei geschlechtsneutral, während die Bezeichnung DJane die Weiblichkeit unnötig hervorhebe. "Als sei das was total Besonderes, dass eine Frau an den Decks steht", kritisiert sie. Diese sprachliche Unterscheidung reproduziere patriarchalische Denkweisen und untergrabe die eigentliche Gleichberechtigung.
Die beiden Frauen betonen, dass gerade beim Feiern bestimmte Verhaltensweisen problematisch werden: "Gerade beim Feiern wird das Auftreten, ein Lächeln oder die Kleidung oft automatisch als Einladung verstanden", ergänzt Stahmer. Dies betreffe überwiegend Frauen und andere nicht-männliche Personengruppen.
Der lange Weg zur echten Gleichberechtigung
Petra Brause stellt klar: "Es heißt immer, dass wir als Frauen rechtliche Gleichstellung erreicht hätten." Doch die Realität sehe anders aus. Nach wie vor gebe es zahlreiche strittige Rechtstexte in Steuer- und Familienrecht, und der Paragraf 218 zum Thema Abtreibung werde von Frauenrechtsbewegungen regelmäßig kritisiert.
Zwar sei die Situation in Deutschland vergleichsweise gut, aber "es ist noch ein sehr weiter Weg, bis die Gleichberechtigung wirklich in den Köpfen der Menschen angekommen ist". Der Begriff Patriarchat beschreibe vielschichtige Mechanismen, die auf jahrhundertelanger Ungleichbehandlung beruhen und sich in sozialen Konventionen, institutionellen Mustern und Erwartungshaltungen widerspiegeln.
Die Feministinnen beobachten nach wie vor starre Rollenbilder:
- Frauen werden stärker in Care-Arbeit (Pflege, Erziehung) oder emotional unterstützenden Rollen gesehen
- Männern werden eher Führungspositionen und Machtausübung zugesprochen
- Diese Rollenbilder prägen die Lebensrealitäten aller Geschlechter
Feminismus als tägliche Haltung
Für Brause und Stahmer ist Feminismus keine theoretische Diskussion, sondern eine gelebte Haltung. "Wir sehen es als unsere Aufgabe an, diese Mechanismen, wann immer sie uns begegnen, sichtbar zu machen und Alternativen zu schaffen", erklärt Stahmer. Brause fügt hinzu: "Am Ende sind wir alle gleich und verdienen die gleichen Rechte und den gleichen Respekt."
Doch die enormen Widerstände, denen sie selbst bei scheinbaren Selbstverständlichkeiten begegnen, schockieren die beiden Frauen immer wieder. "Eigentlich wollen wir überhaupt nicht darüber reden müssen", sind sie sich einig. Doch solange Ungleichheit und Diskriminierung existieren, sehen sie es als ihre Verantwortung, das Thema immer wieder anzusprechen und Räume für Veränderung zu schaffen – auch und gerade auf der Tanzfläche.



