Wittenberge: Frauen demonstrieren für Gleichberechtigung und gegen Gewalt
Frauen demonstrieren in Wittenberge für Gleichstellung

Frauen in Wittenberge erheben ihre Stimmen für Gleichstellung

Einen Tag nach dem Internationalen Frauentag findet am 9. März in Wittenberge eine bemerkenswerte Aktion statt. Auf dem Paul-Lincke-Platz werden ab 14 Uhr insgesamt 16 Frauen für mehr Gleichberechtigung demonstrieren und dabei auf strukturelle Benachteiligungen aufmerksam machen.

Strukturelle Ungleichheiten im Fokus

Andrea van Bezouwen aus Kletzke, eine der Organisatorinnen der Veranstaltung, betont: „Frauen sind strukturell benachteiligt, auch wenn sich seit den 60er und 70er Jahren viel getan hat.“ Die Aktion soll diese Sichtweise unterstreichen und gleichzeitig ein Zeichen setzen. „Wir werden zusammen tanzen“, verspricht van Bezouwen. „Zugleich werden wir in Wortbeiträgen Themen ansprechen, wo aus unserer Sicht Frauen benachteiligt sind.“

Die Demonstration ist Teil des globalen Frauenstreiktages, an dem sich Wittenberge mit dieser Veranstaltung beteiligt. Während historische Errungenschaften wie das Wahlrecht für Frauen in Deutschland 1918 erreicht wurden, betonen die Aktivistinnen, dass die Gleichstellung noch lange nicht erreicht ist.

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Gewalt und ökonomische Ungleichheit als Kernprobleme

Den 16 Frauen geht es bei ihrer Aktion um weit mehr als symbolische Gesten. Sie thematisieren insbesondere:

  • Gewalt gegen Frauen als schlimmste Form struktureller Benachteiligung
  • Ökonomische Ungleichheit zwischen den Geschlechtern
  • Traditionelle Rollenbilder, die Frauen finanziell benachteiligen

„Trotz der verfassungsrechtlich verankerten Gleichberechtigung im Grundgesetz ist Deutschland noch weit von einer gelebten Gleichstellung der Geschlechter entfernt“, erklärt Andrea van Bezouwen. „Die strukturellen Ungleichheiten sind tief in der Gesellschaft, dem Arbeitsmarkt, dem Steuersystem und sogar dem Gesundheitswesen verankert.“

Sie verweist dabei auf den Analysebericht zum Vierten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2025, der diese Missstände dokumentiert.

Alarmierende Zahlen zur Gewalt gegen Frauen

Besonders besorgniserregend ist das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen. „Gewalt gegen Frauen ist kein Einzelfall, sondern ein flächendeckendes gesellschaftliches Problem“, schildert van Bezouwen. „Jede dritte Frau in Deutschland erlebt einmal in ihrem Leben physische oder sexualisierte Gewalt.“

Obwohl Vergewaltigung in der Ehe seit 1997 unter Strafe steht, bleibt Gewalt gegen Frauen eine gravierende Menschenrechtsverletzung. Die Aktivistinnen weisen darauf hin, dass dieses Problem weltweit noch größere Dimensionen annimmt, wie internationale Beispiele zeigen.

Ökonomische Benachteiligung und Sorgearbeit

Ein weiterer Schwerpunkt der Aktion ist die ökonomische Ungleichheit. „Ungleichheit ist nicht nur an den unterschiedlichen Gehältern bei Mann und Frau zu erkennen. Was die Gehälter angeht, wirkt sich das auch auf die Rente aus“, so van Bezouwen.

Die Zahlen sind eindeutig:

  1. Der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen liegt bei 16 Prozent
  2. Deutschland bleibt damit hinter dem europäischen Durchschnitt von 13 Prozent zurück
  3. Frauen leisten eineinhalbmal so viel unbezahlte Sorgearbeit wie Männer
  4. Nur 29 Prozent der Frauen in Paarbeziehungen arbeiten in Vollzeit, bei Männern sind es 94 Prozent

„Unser Gesellschaftssystem belohnt traditionelle Rollenbilder und bestraft die Sorgearbeit der Frau finanziell“, kritisiert die Texterin aus Kletzke. Mit Sorgearbeit meint sie Kindererziehung, Pflege, Haushalt und Familienorganisation.

Konkrete Forderungen und positive Ausrichtung

Die Frauen in Wittenberge haben klare Forderungen:

  • Gleiches Gehalt bei gleicher Arbeit für Mann und Frau
  • Ausgeweitete Kinderbetreuungsmöglichkeiten
  • Anerkennung und faire Verteilung von Sorgearbeit

Dabei betont Andrea van Bezouwen: „Wir wollen allerdings nicht Jammern, sondern uns auf unserer Aktion über Frauenrechte aufklären, uns gegenseitig Mut zusprechen und Positivberichte hören.“

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Die Organisatorin lädt alle interessierten Frauen ein: „Und wenn Frauen am Montag in der Zeit von 14 bis 16 Uhr am Paul-Lincke-Platz vorbeilaufen, freuen wir uns, wenn sie uns zuhören. Noch schöner wäre, wenn sie mittanzen würden!“

Die Aktion in Wittenberge knüpft an die Arbeit früherer Feministinnen wie Alice Schwarzer an, die in den 1970er Jahren wichtige Veränderungen angestoßen haben. Die heutigen Aktivistinnen sind dankbar für diese Vorarbeit, sehen aber weiterhin dringenden Handlungsbedarf.