Geschlechterkluft bei Einkommen: Nur jede zehnte Frau ist Hauptverdienerin
Geschlechterkluft: Nur jede zehnte Frau Hauptverdienerin

Geschlechterkluft bei Einkommen: Nur jede zehnte Frau ist Hauptverdienerin

Die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen den Geschlechtern bleibt in Deutschland ein drängendes Thema. Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen ein klares Bild: In Partnerschaften verdienen Frauen nach wie vor deutlich seltener mehr als ihre männlichen Partner.

Statistiken zum Internationalen Frauentag

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März veröffentlichte das Statistische Bundesamt auf Basis von EU-Daten besorgniserregende Zahlen. Lediglich in jedem zehnten Paarhaushalt (9,9 Prozent) hatte die Frau im Jahr 2026 ein höheres Nettoeinkommen als ihr Ehe- oder Lebenspartner. Damit ist der Anteil der Frauen als Hauptverdienerinnen seit 2021 sogar leicht gesunken – damals lag er noch bei 10,5 Prozent.

Im Kontrast dazu war der Mann in gut der Hälfte der Paare (55,8 Prozent) die Haupteinkommensperson. Zwar ist dieser Wert gegenüber 2021 (knapp 59 Prozent) gesunken, doch die grundlegende Diskrepanz bleibt bestehen. Die Statistiker kommentieren: „Insgesamt hat sich die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern beim Blick auf die Einkommensverteilung in den letzten Jahren wenig verändert.“

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Definition und Methodik

Als Haupteinkommensperson gilt in dieser Erhebung diejenige Person, deren Nettoeinkommen 60 Prozent oder mehr des gemeinsamen Haushaltseinkommens ausmacht. Die Zahlen stammen aus der europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC), die regelmäßig vergleichbare Daten in der EU erhebt.

Ein positiver Trend zeigt sich immerhin bei Paaren mit annähernd gleichem Einkommen: In gut jedem dritten Paarhaushalt (34,3 Prozent) lagen Mann und Frau finanziell etwa gleichauf. Dieser Anteil ist seit 2021 (damals 30,7 Prozent) gestiegen und deutet auf eine langsame Annäherung hin.

Kinder als entscheidender Faktor

Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen Paaren mit und ohne Kinder im Haushalt:

  • Paare ohne Kinder: Hier ist das Ungleichgewicht etwas weniger ausgeprägt. In 11,4 Prozent der Fälle hatte die Frau das höhere Einkommen, in 50,1 Prozent der Mann. Bei 38,5 Prozent der kinderlosen Paare hatten beide ein etwa gleich hohes Einkommen.
  • Paare mit Kindern: In Familienhaushalten sind Frauen noch seltener die Hauptverdienerin. Nur in 7,7 Prozent der Fälle hatte die Mutter das höhere Einkommen. Dagegen war in knapp zwei von drei solcher Haushalte (64,6 Prozent) der Vater Hauptverdiener. In gut einem Viertel der Paarhaushalte mit Kindern lagen die Einkommen etwa gleichauf.

Ursachen der Einkommensunterschiede

Ein wesentlicher Grund für die größeren Einkommensunterschiede bei Paaren mit Kindern liegt in den unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen:

  1. Mütter arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit als erwerbstätige Frauen insgesamt. Diese Reduzierung der Arbeitszeit wirkt sich unmittelbar auf das Einkommensniveau aus.
  2. Väter arbeiten seltener in Teilzeit als Männer ohne Kinder. Sie behalten häufiger Vollzeitstellen bei, was ihr Einkommenspotenzial erhöht.

Diese unterschiedlichen Arbeitszeitmuster verstärken die wirtschaftliche Abhängigkeit vieler Frauen in Partnerschaften und tragen zur anhaltenden Geschlechterkluft bei den Einkommen bei.

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