Gisèle Pelicot gibt Frauen in Deutschland Mut: Lesung mit Maria Furtwängler in Hamburg
Eine beeindruckende Frau stand am Dienstagabend im Mittelpunkt eines bewegenden Abends in Hamburg. Gisèle Pelicot, 73 Jahre alt und eine Ikone im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Frauen, trat im ausverkauften kleinen Saal der Laeiszhalle auf. Sie stellte die deutsche Ausgabe ihrer Memoiren „Eine Hymne an das Leben“ vor und gab vielen Frauen eine Stimme, die bisher aus Scham geschwiegen haben.
Ein Abend der Solidarität und Stärke
Begleitet wurde Pelicot auf der Bühne von der bekannten Schauspielerin und Aktivistin Maria Furtwängler, 59 Jahre alt und durch ihre Rolle im „Tatort“ einem breiten Publikum vertraut. Furtwängler las eindrucksvolle Passagen aus dem Buch, das bei Piper erschienen ist und 256 Seiten umfasst. Der Abend war geprägt von tiefem Respekt und minutenlangem Applaus, als Pelicot die Bühne betrat. Sie trug eine weiße Hose, eine dunkelblaue Bluse, eine Weste und braune Wildlederstiefeletten und lächelte trotz der schweren Themen, über die sie sprach.
Die schreckliche Vergangenheit und der Weg zur Gerechtigkeit
Gisèle Pelicot wurde jahrelang von ihrem Ehemann Dominique Pelicot betäubt, vergewaltigt und der Vergewaltigung durch 53 weitere Männer ausgesetzt. Diese Taten wurden fotografiert und gefilmt. Nach einem aufsehenerregenden Prozess wurde Dominique Pelicot zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, seine Mitangeklagten erhielten mehrjährige Haftstrafen. Pelicot beschrieb den Moment der Konfrontation mit den Beweismitteln bei der Polizei als „wie ein Tsunami, der mich überrollt hat“. Sie betonte jedoch, dass sie heute ihr Leben wieder in die Hand genommen habe.
Die Entscheidung für die Öffentlichkeit und ihre Botschaft
Ein zentrales Thema des Abends war Pelicots Entscheidung, den Massenvergewaltigungsprozess 2024 in Avignon öffentlich zu machen. „Nicht das Opfer sollte sich schämen, sondern die Beschuldigten“, erklärte sie mit fester Stimme. Sie ermutigte die Anwesenden: „Wenn Sie Opfer sind, schämen Sie sich nie. Zweifeln Sie nicht. Ich hatte diese Kraft, und Sie haben sie auch.“ Diese Worte trafen mitten ins Herz des Publikums und wurden mit bewegter Stille aufgenommen.
Ein Blick in die Zukunft und persönliche Pläne
Pelicot berichtete auch von ihrem Plan, ihren Ex-Mann im Gefängnis zu besuchen. „Ich hoffe, dass er den Mut hat, mich zu treffen. Denn ich bin heute stark“, sagte sie selbstbewusst. Sie betonte, dass sie nicht auf die Rolle des Opfers reduziert werden möchte. Stattdessen habe sie sich neu aufgestellt und sogar die Liebe wieder gefunden. Zum Abschluss las sie einen persönlichen Abschnitt aus ihrem Buch auf Französisch, wobei sie sich emotional zeigte, aber keine Tränen vergoss.
Ein bewegender Applaus und internationale Anerkennung
Der Abend endete nach anderthalb Stunden mit minutenlangem Standing Ovations der sonst so zurückhaltenden Hanseaten. Pelicot, die zuvor in London Queen Camilla getroffen hatte, wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Ihr Buch „Eine Hymne an das Leben“ ist seit dem 17. Februar im Handel erhältlich und bietet einen tiefen Einblick in ihren Kampf und ihre Heilung. Dieser Abend in Hamburg wird vielen als Symbol der Stärke und des Muts in Erinnerung bleiben.



