Gisèle Pelicot: Neue Liebe nach Trauma - „Ich erlaube mir jetzt, wieder glücklich zu sein“
Gisèle Pelicot: Neue Liebe nach traumatischem Prozess

Gisèle Pelicot findet nach traumatischem Prozess zurück ins Leben

Gisèle Pelicot verkörpert Mut, Selbstbestimmung und den Bruch mit der Opfer-Scham. 14 Monate nach Beginn des aufsehenerregenden Prozesses gegen 51 Männer spricht die 73-Jährige ausführlich über die belastende Zeit im Gerichtssaal. Trotz der traumatischen Erfahrungen blickt sie nach vorn und verrät: Eine neue Liebe gibt ihr Kraft und Halt.

Das Martyrium und der öffentliche Prozess

Ihr Ex-Mann Dominique Pelicot hatte über Jahre hinweg mehr als 80 Männer eingeladen, sie zu vergewaltigen, und betäubte sie dafür regelmäßig mit Medikamenten. Der Prozess dauerte fast vier Monate und endete im Dezember 2024 mit der Verurteilung von 51 Tätern. Weitere Männer blieben unbekannt, da sie nicht identifiziert werden konnten.

Die Entscheidung für einen öffentlichen Prozess fiel Pelicot nicht leicht. „Ich habe vier Jahre dafür gebraucht“, gesteht sie. „Wie alle Vergewaltigungsopfer habe ich mich fürchterlich geschämt.“ Doch dann wurde ihr klar: „Wenn der Prozess nicht öffentlich stattfindet, mache ich diesen Männern das größte Geschenk. Niemand wird sehen, was sie getan haben.“

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Die neue Liebe als Weg aus der Dunkelheit

In wenigen Tagen erscheint Pelicots erstes Buch „Eine Hymne an das Leben“, in dem sie über ihr Leben nach dem Prozess von Avignon schreibt. Im Gespräch mit dem „Spiegel“ sagt die 73-Jährige: „Ich erlaube mir jetzt, wieder glücklich zu sein.“

„Ich erlebe wieder glückliche Momente“, erzählt Pelicot und verrät, dass es einen neuen Mann in ihrem Leben gibt: Jean-Loup. „Ich hätte mir nie vorstellen können, mich noch einmal zu verlieben.“ Der Zufall habe die Beiden zusammengeführt, denn auch Jean-Loup habe viel Leid erfahren. „Dahinter verbirgt sich eine wichtige Botschaft: Es existiert ein Weg aus der Dunkelheit heraus.“

Belastende Gerichtsstrategien und familiäre Spannungen

Vor Gericht versuchten die Anwälte der 51 Angeklagten, Gisèle Pelicot als Komplizin darzustellen. Sie zeigten Fotos von ihr in Unterwäsche und fragten nach exhibitionistischen Neigungen. „Es war widerlich“, sagt Pelicot. Die Ausreden der Vergewaltiger seien unerträglich gewesen: „Ihr Mann hatte doch sein Einverständnis gegeben.“

Ihr Verhältnis zu den Kindern bleibt angespannt, obwohl inzwischen wieder täglich telefoniert wird. „Wir brauchen noch Zeit“, sagt Pelicot. Ihre Tochter Caroline warte auf Antworten, die sie bisher nicht bekommen habe.

Ein letzter Wunsch und die Botschaft der Hoffnung

Einen besonderen Wunsch hat Gisèle Pelicot noch: „Ich muss Monsieur Pelicot noch einmal sehen. Das wird meine Art sein, von ihm Abschied zu nehmen. Ich brauche Antworten.“ Sie plant, ihren Ex-Mann im Gefängnis zu besuchen.

Für viele Frauen ist Gisèle Pelicot zur Heldin im Kampf um Frauenrechte und Selbstbestimmung geworden. Ihr öffentlicher Prozess hat nicht nur Gerechtigkeit für sie selbst gebracht, sondern auch ein Zeichen für alle Betroffenen gesetzt. Trotz des durchlittenen Martyriums zeigt sie mit ihrer neuen Liebe und ihrem Lebensmut, dass Heilung und Glück auch nach tiefsten Verletzungen möglich sind.

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