Polizei-Expertin gibt Ratschläge: So finden Frauen Hilfe bei häuslicher Gewalt
Hilfe bei häuslicher Gewalt: Polizei-Expertin gibt wichtige Tipps

Erschreckende Zahlen: Nur wenige Fälle häuslicher Gewalt werden angezeigt

Die aktuellen Zahlen sind alarmierend: Weniger als fünf Prozent aller Taten bei häuslicher Gewalt führen tatsächlich zu einer Anzeige. Dies geht aus der neuen „Dunkelfeldstudie zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland“ hervor, die Familienministerin Karin Prien (CDU) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Dienstag vorgestellt haben. Die überwältigende Mehrheit der Gewalttaten bleibt somit im Verborgenen – das Zuhause wird für viele Frauen zum gefährlichsten Ort.

Der schwierige Weg aus der Gewalt

Oft werden Frauen genau dort attackiert, wo sie sich eigentlich sicher und geborgen fühlen sollten: in ihrer eigenen Beziehung. Für Betroffene ist es besonders schwer, sich Hilfe zu holen. Angst, Scham und Unsicherheit halten viele davon ab, den ersten Schritt zu wagen. Doch genau dieser erste Schritt ist entscheidend.

„Es ist nicht notwendig, als allererstes zur Polizei zu gehen. Sich seiner Situation bewusst zu werden, das ist schon ein mutiger erster Schritt“, erklärt Angélique Yumusak, Frauenbeauftragte der Deutschen Polizeigewerkschaft. Die Expertin betont, dass es oft hilfreich sei, zunächst Vertraute oder spezialisierte Beratungsstellen einzubeziehen. Niemand müsse diesen schwierigen Weg allein gehen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Anonyme Hilfe rund um die Uhr verfügbar

Für Betroffene stehen verschiedene Hilfsangebote zur Verfügung, die anonym und kostenlos genutzt werden können:

  • Telefonische Hilfe bei sexueller Gewalt: (0800-22 55 530) – bundesweit erreichbar
  • Das Opfertelefon: (116 016) – bietet rund um die Uhr Beratung in 19 verschiedenen Sprachen
  • Der „Weisse Ring“: (116 006) – täglich von 7 bis 22 Uhr erreichbar, mit Geschäftsstellen in jedem Bundesland

Beweise sichern – auch ohne sofortige Anzeige

Ein wichtiger Aspekt, den viele Betroffene nicht kennen: Spuren können auch ohne sofortige Anzeige gesichert werden. In speziellen Gewaltschutzambulanzen von Krankenhäusern werden Verletzungen anonym dokumentiert. Diese Beweise können später für eine Anzeige genutzt werden.

„Viel zu wenige wissen auch, dass es zahlreiche Tarn-Apps gibt, mit denen man die Beweise unkompliziert über das eigene Handy sichern kann“, erklärt Yumusak. Diese modernen Hilfsmittel erleichtern die Dokumentation von Gewalttaten erheblich und geben Betroffenen mehr Kontrolle über ihre Situation.

Der Weg zur Polizei: Nicht allein gehen

Wenn der Schritt zur Polizei ansteht, rät die Expertin: „Gehen Sie nicht allein. Nehmen Sie jemanden mit, dem Sie vertrauen.“ Für Menschen mit Hemmungen gibt es alternative Wege – etwa die Online-Anzeige oder die gezielte Bitte um eine Beamtin vor Ort.

Frauenhäuser bieten zusätzlichen Schutz und unterstützen beim Aufbau eines neuen Lebens. Unter der Adresse www.frauenhaus-suche.de können Betroffene gezielt nach Einrichtungen in ihrer Nähe suchen.

Mut zur Veränderung

Angélique Yumusak hat eine klare Botschaft an alle betroffenen Frauen: „Wer laut wird, gewinnt Kontrolle. Wer Automatismen trainiert, bleibt handlungsfähig. Und wer dokumentiert, behält die Kontrolle über seine Geschichte und kann später beweisen, was wirklich passiert ist.“

Die Expertin betont, dass jede Form der Hilfe wichtig ist – ob durch vertraute Personen, Beratungsstellen oder schließlich die Polizei. Wichtig sei vor allem, nicht in der Isolation zu verharren, sondern sich Unterstützung zu suchen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration