„Wir stoßlüften auch“ - Kopftuch-Kandidatinnen kämpfen um Miss-Germany-Krone
Kopftuch-Kandidatinnen im Finale der Miss Germany Wahl

Kopftuch-Kandidatinnen schreiben Geschichte bei Miss Germany

An diesem Wochenende wird in den Bavaria Studios bei München eine neue Miss Germany gekrönt. Unter den neun Finalistinnen, die sich aus über 2.600 Bewerberinnen durchgesetzt haben, befinden sich zwei Frauen, die mit ihrer Kandidatur für Diskussionen sorgen: Büsra Sayed aus Berlin und Amina Ben Bouzid aus Wiesbaden. Beide tragen während des Wettbewerbs einen Hijab, ein traditionelles Kopftuch, und erleben seit ihrer Nominierung verstärkten Alltagsrassismus.

„Ist Deutsch-Sein eine bestimmte Frisur?“

Die 27-jährige Unternehmerin Büsra Sayed berichtet der Deutschen Presse-Agentur von einer Flut rassistischer Kommentare seit ihrer Teilnahme. „Das wird oft infrage gestellt: Wie willst du denn die deutsche Frau repräsentieren?“, sagt sie. Ihre Antwort darauf ist ebenso scharf wie treffend: „Okay, ist Deutsch-Sein eine bestimmte Frisur? Dann gib mir einen Frisurenkatalog.“

Auch Amina Ben Bouzid, die ein Jahr älter ist und aus Wiesbaden stammt, kennt diese Vorurteile. „Ich vergesse immer selbst mein Kopftuch, weil es für mich so eine Normalität ist. Und erst wenn dann jemand darüber spricht, denke ich: Ach ja, stimmt, es ist ja gar nicht so eine Normalität“, erklärt sie. Beide Frauen betonen jedoch, dass sie ihre Kandidatur nicht als Bürde, sondern als Ehre empfinden.

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Neue Ausrichtung: Von Schönheit zu Stärke

Die Organisatoren des Wettbewerbs haben die Ausrichtung grundlegend verändert. Statt eines klassischen Schönheitswettbewerbs suchen sie nun nach zukünftigen DAX-Vorständinnen und erfolgreichen Gründerinnen. Die amtierende Miss Germany, Valentina Busik, ist Ärztin und arbeitet mit Künstlicher Intelligenz, um die Digitalisierung im Gesundheitssystem voranzutreiben.

Büsra Sayed tritt in der Kategorie „Female Founder“ an. Sie hat ein Modelabel gegründet, das Frauen mit Hijab sichtbarer machen soll. Amina Ben Bouzid kandidiert in der Kategorie „Female Leader“ und unterstützt frauengeführte Marken beim Wachstum. Beide sehen ihre Teilnahme als wichtigen Schritt für mehr Repräsentation.

„Wir sind deutsch!“

Auf die Frage, was für sie deutsch sei, antwortet Amina Ben Bouzid selbstbewusst: „Wir sind deutsch!“ Büsra Sayed fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Wir stoßlüften auch.“ Die beiden Frauen machen deutlich, dass Deutsch-Sein nicht an Äußerlichkeiten festgemacht werden kann.

Beide Kandidatinnen berichten, dass die kritischen und oft rassistischen Kommentare überwiegend von Männern stammen. „Bei Frauen findet sich leider immer irgendetwas, worauf sie reduziert werden können“, sagt Sayed. Ihre Mitstreiterin ergänzt: „Wenn Frauen in die Sichtbarkeit gehen, gibt es immer etwas, das kritisiert wird - unterschiedliche Herkünfte, Aussehen, whatever.“

Ein Signal für Vielfalt

Die Teilnahme von Büsra Sayed und Amina Ben Bouzid ist mehr als nur eine Kandidatur. Sie ist ein Statement für eine vielfältige Gesellschaft, in der Deutsch-Sein viele Gesichter hat. Die beiden Frauen hoffen, dass sie mit ihrem Auftreten anderen Mädchen und Frauen Mut machen können, die sich mit ihnen identifizieren.

Das Finale der Miss Germany findet am Samstag, den 7. März, in den Bavaria Studios bei München statt. Neben Sayed und Ben Bouzid stehen unter anderem eine Biologin und eine Presseoffizierin der Bundeswehr im Finale. Wer am Ende die Krone tragen wird, ist noch offen - sicher ist jedoch, dass diese Wahl bereits jetzt Geschichte geschrieben hat.

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