Sexarbeiterinnen in Rostock fordern Gleichberechtigung und Reform des Prostituiertenschutzgesetzes
In Rostock kämpfen zwei Frauen, Mia und Jiyan, für die Rechte von Menschen in der Sexarbeit. Sie fordern gleiche Arbeitsrechte und eine Entstigmatisierung ihrer Tätigkeit, um prekäre Lebens- und Arbeitsverhältnisse anzuzeigen und zu verändern. Ihre Forderungen richten sich insbesondere gegen das Prostituiertenschutzgesetz, das sie als problematisch und stigmatisierend empfinden.
„Sind sie es nicht wert, unterstützt zu werden?“
Mia und Jiyan, die aus Angst vor Repression anonym bleiben, übertrugen ihre Redebeiträge via Lautsprecher bei einer Demo zum „Feministischen Kampftag“ am 8. März. Sie kritisierten die Stigmatisierung von Sexarbeit und Freiern und betonten die Notwendigkeit, über Arbeitsrechte zu diskutieren. Ihre zentrale Frage lautete: „Wenn auch nur 10.000 Frauen in Deutschland die Möglichkeit haben, sich in diesem System zu emanzipieren, sind sie es dann nicht wert, unterstützt zu werden?“
Persönliche Hintergründe und Motivation
Mia, eine weiße Frau aus Deutschland mit Mittelschicht-Hintergrund, fand durch die Sexarbeit finanzielle Unabhängigkeit und konnte ihr Studium abschließen. Jiyan, aus einer kurdischen Gastarbeiter-Familie der dritten Generation, erlebte patriarchale Gewalt und Armut. Sie begann mit der Sexarbeit, nachdem sie von einer Freundin erfahren hatte, dass diese als Escort arbeitete. Jiyan betont, dass die Sexarbeit ihr ermöglichte, eine künstlerische Ausbildung zu finanzieren und Therapien zu bezahlen, die sie sonst nicht hätte leisten können.
Beratungsstelle SeLA in Rostock
Nadine Herrmann und Sandra Kamitz von der Beratungsstelle SeLA (Selbstbestimmt Leben und Arbeiten) schätzen, dass etwa 250 Menschen in Rostock in der Sexarbeit tätig sind. SeLA, die einzige Beratungsstelle dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern, wird rein städtisch gefördert und setzt sich seit 2014 für die Verbesserung der Situation von Sexarbeitern ein. Rostock hat keinen Sperrbezirk, und Prostitution ist in allen Stadtteilen erlaubt, wobei Wohnungsprostitution in knapp 40 Modellwohnungen am häufigsten vorkommt.
Kritik am Prostituiertenschutzgesetz
Das 2017 eingeführte Prostituiertenschutzgesetz soll die Sexarbeit in Deutschland regulieren und sicherer machen, erfordert jedoch eine offizielle Anmeldung und den sogenannten „Huren-Ausweis“. Während manche darin einen Schritt zu mehr Sicherheit sehen, kritisieren andere wie Mia und Jiyan das Gesetz als institutionelle Verbriefung von Stigmata. Sie betonen, dass die Entscheidung für Sexarbeit komplex ist und nicht in Schwarz-Weiß-Denke passt, da es viele Grauzonen zwischen Zwang und Selbstverwirklichung gibt.
Forderungen nach gleichen Arbeitsrechten
Mia und Jiyan sowie die Beraterinnen von SeLA fordern, dass Sexarbeit als normale Arbeit anerkannt wird. Sie weisen darauf hin, dass die Arbeitsrechte von Sexarbeitern durch Sonderrechte eingeschränkt sind und viele keinen Zugang zu ausreichender Sozialversicherung haben. Dies sei eine Frage der Gleichberechtigung und nicht von Sonderrechten. Ihr Wunsch ist es, dass Sexarbeit irgendwann einfach als Arbeit gesehen wird, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern.



