Alice Schwarzer über mögliche Weidel-Kanzlerschaft: "Ermutigend für Frauen"
Die prominente Feministin Alice Schwarzer (83) hat sich in einem aktuellen Interview zu der hypothetischen Frage geäußert, wie es um die Sache der Frauen stünde, wenn AfD-Chefin Alice Weidel (47) eines Tages das Bundeskanzleramt bekleiden würde. Im "Spitzengespräch" mit dem "Spiegel"-Journalisten Markus Feldenkirchen (50) zeigte sich Schwarzer zunächst zurückhaltend, rang sich dann aber zu einer klaren Aussage durch.
Ambivalente Haltung mit klarem Kern
Feldenkirchen hatte Schwarzer direkt gefragt: "Wenn Alice Weidel nach Angela Merkel die nächste Bundeskanzlerin wäre, wie gut wäre das für die Sache der Frauen?" Nach anfänglichem Zögern und der Bemerkung "Schwierig, ne?" lieferte die Journalistin und Publizistin schließlich ihre Einschätzung: "Das hätte sicherlich, trotz allem, auch den Effekt, ermutigend für Frauen zu sein. Wahrscheinlich. Unter anderem. Ja."
Gleichzeitig betonte Schwarzer, dass sie mit dieser Aussage keineswegs die Person Alice Weidel oder deren politische Positionen unterstütze. Sie verwies darauf, dass Feldenkirchen in seiner Frage "ganz viel" unterstellt habe, ohne nach der Person an sich zu fragen.
Kritik an Baerbocks feministischer Außenpolitik
Deutlich kritischer äußerte sich Schwarzer über die ehemalige Außenministerin und aktuelle Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock (45, Grüne). Trotz deren proklamierter Linie einer "feministischen Außenpolitik" sei Baerbock in Schwarzer Augen eine "Meisterin der Worte, nicht der Taten".
"Sie hat an dem Punkt völlig versagt", so Schwarzer mit Blick auf Baerbocks Umgang mit Frauenrechten im Iran und in Afghanistan. Die Feministin wirft der Politikerin vor, die Frauen in diesen Ländern im Stich gelassen zu haben.
Warnung vor AfD ohne pauschale Dämonisierung
Obwohl Schwarzer immer wieder vor einem Erstarken der AfD warnt, lehnt sie eine pauschale Dämonisierung der Partei ab. In einem Interview mit der "Berliner Zeitung" erklärte sie: "Mit einer unliebsamen Partei muss man sich durch Argumente auseinandersetzen und nicht mit Verboten."
Die 83-Jährige geht davon aus, dass die sogenannte "Brandmauer" gegen die AfD bei den Bundestagswahlen 2029 nicht mehr existieren werde. Diese Haltung bezeichnet sie als "unrealistisch".
Politisches Engagement an Wagenknechts Seite
In jüngster Zeit trat Schwarzer verstärkt als politische Publizistin und Friedensaktivistin in Erscheinung – oft an der Seite von BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht (56). Schwarzer hält Wagenknecht für "die Einzige", die die AfD noch stoppen könne.
Alice Schwarzer gilt als die wohl bekannteste, aber auch umstrittenste Feministin Deutschlands. 1977 gründete sie die Zeitschrift Emma und prägte die Frauenbewegung über Jahrzehnte hinweg mit Kampagnen gegen Abtreibungsverbote, Pornografie und Prostitution. Ihre aktuellen Äußerungen zur politischen Landschaft zeigen, dass sie auch im hohen Alter nicht davor zurückschreckt, kontroverse Positionen zu beziehen und etablierte politische Lager zu hinterfragen.



