Rostocker Kochclub International: Kulinarische Brücken zwischen Kulturen
Kochclub International Rostock: Kulturen verbinden durch Essen

Rostocker Kochclub International: Kulinarische Brücken zwischen Kulturen

In der Hansestadt Rostock entsteht durch gemeinsames Kochen echte Nähe zwischen Menschen unterschiedlichster Herkunft. Der Kochclub International, gegründet 2024 von Inga Wulf und Teresa Trabert, hat sich zum Ziel gesetzt, kulinarische Brücken zwischen Kulturen zu bauen und Berührungsängste abzubauen. Das nächste kulinarische Treffen findet am 18. März im Stadtteil- und Begegnungszentrum Evershagen statt.

Gemeinsames Kochen als Türöffner für Begegnungen

„Wir wollen Verbindung schaffen durch gemeinsames Kochen und Essen“, erklärt Inga Wulf, die hauptberuflich als Köchin arbeitet und vielen Rostockern als Mademoiselle Inga bekannt ist. An den Veranstaltungen des Kochclubs International können jeweils 20 Personen kostenfrei teilnehmen – Spenden werden auf freiwilliger Basis erbeten. Besonders wichtig ist den Initiatorinnen, dass die Treffen an verschiedenen Orten in der Stadt stattfinden, um möglichst viele Menschen zu erreichen.

Bei jedem Abend kocht ein anderer Gastgeber traditionelle Gerichte aus seinem Heimatland gemeinsam mit der Gruppe. Bisher reiste der Kochclub kulinarisch bereits durch Polen, Kanada, Persien, Tunesien, den Irak, Palästina und den Libanon. „Im normalen Alltag kommt man eher selten in Berührung mit Menschen, die zugewandert sind oder eine Fluchtgeschichte haben“, beobachtet Inga Wulf. „Ich erfahre meist nur aus Medien von ihnen.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Von anfänglicher Skepsis zur Begeisterung

Das gemeinsame Kochen und Essen erweist sich als wirkungsvoller Türöffner für echte Begegnungen. Ein besonders schönes Beispiel war die Reaktion zweier Seniorinnen, die anfangs noch skeptisch waren. „Am Ende des Abends waren sie dann total verliebt in den Gastgeber Amir, begeistert und fragten nach, woher sie die Zutaten bekommen können“, berichtet Inga Wulf lächelnd.

Für die Gastgeber, die teilweise schlimme Rassismuserfahrungen gemacht haben, sind diese Abende besonders wertvoll. Sie können erleben, dass Rostock auch bunt ist und dass es Menschen gibt, die aufgeschlossen sind und echtes Interesse an anderen Kulturen zeigen. Teresa Trabert ergänzt: „Uns ist es ein besonderes Anliegen, uns mit dem Kochclub International aus der Stadtmitte wegzubewegen und Angebote in anderen Stadtteilen zu schaffen.“ Dies geschieht auch mit Blick auf die bundesweite Segregationsstudie des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe.

Finanzierung und Zukunft des Projekts

Im vergangenen Jahr wurde das Projekt durch eine große Förderung der gemeinnützigen Organisation Änderwerk finanziert, wie Inga Wulf erklärt. Hinzu kamen weitere Fördermittel. Für das aktuelle Jahr sind die beiden Initiatorinnen noch auf der Suche nach neuen Fördermitteln, um das Projekt weiterhin umsetzen zu können. Der nächste Kochclub International findet als libanesischer Abend am 18. März ab 17 Uhr im Stadtteil- und Begegnungszentrum in Evershagen statt.

Die Köchin hinter dem Projekt

Inga Wulf ist eigentlich Diplomingenieurin für Bekleidungstechnik und sollte ursprünglich in das Geschäft ihrer Eltern einsteigen. Doch ihr Weg verlief anders. „Ich habe schon immer gern gekocht, auch für Freunde. Ein gutes Essen ist ein großer Teil meines Lebens“, sagt die 44-Jährige. Ihre Selbstständigkeit begann 2012 im Rosengarten mit dem Kiosk Mademoiselle Inga, wo sie vegetarische Gerichte anbot.

2018 eröffnete sie dann in einer ehemaligen Fleischerei in der Östlichen Altstadt die „le petite cousine“, ein kleines Lokal mit wechselndem Mittagstisch. „Es kamen ganz lange noch Menschen, die nach der Lungenwurst fragten, die muss legendär gewesen sein“, erinnert sie sich schmunzelnd. Bei Inga Wulf landet allerdings nur vegetarische Küche auf dem Teller.

Seit Ende 2024 macht sie, wie sie selbst sagt, „eine Mittagspause“ und vermietet ihren Laden mit etwa 20 Sitzplätzen für Familienfeiern und andere Anlässe. Parallel betreibt sie den Cateringservice Mademoiselle Inga und begleitet Yoga-Retreats, Meditationsseminare, Chorwochenenden oder Familienfeiern kulinarisch. Bei ihrem Cateringangebot kocht sie dann auch mal mit Fleisch.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Zukunftspläne für 2026

Für dieses Jahr hat Inga Wulf konkrete Pläne: Die „le petite cousine“ in der Großen Scharrenstraße 5 soll wieder regelmäßig öffnen – zunächst einmal im Monat, immer freitags von 12 bis 14 Uhr für ein Mittagsangebot. Das nächste Mal ist am 27. März geplant. Angeboten wird jeweils ein Gericht, eine feste Karte gibt es nicht. „Denn mir ist es wichtig, restearm zu kochen“, erklärt die Köchin. „Wenn ich für ein Catering fünf Kilo Kartoffeln kaufe und nur drei brauche, dann kann ich locker noch daraus etwas Buntes zaubern.“

Zudem öffnen sich die Türen ihres Ladens in Zusammenarbeit mit der Nachbargalerie „Die kleine Sindy“ – einem Zusammenschluss mehrerer Illustratorinnen und Inga Wulf selbst – zur Kunstnacht am 29. Mai. Der Kochclub International bleibt dabei ein Herzensprojekt, das zeigt, wie gemeinsames Kochen Menschen zusammenbringen und Vorurteile abbauen kann.