Bayerns Jugend im Fokus: Rückgang bei Alkohol und Zigaretten, aber mehr Medikamentenmissbrauch und soziale Medien-Sucht
Bayerns Schüler: Weniger Alkohol, mehr Medikamenten und soziale Medien

Neue Studie enthüllt: So hat sich das Suchtverhalten bayerischer Schüler verändert

Eine aktuelle Untersuchung des IFT Instituts für Therapieforschung wirft ein neues Licht auf das Konsumverhalten junger Menschen im Freistaat. Die Auswertung der Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD) basiert auf Daten von 3.072 online befragten Schülerinnen und Schülern der 10. und 11. Klassen aus dem Jahr 2024 und zeigt deutliche Verschiebungen im Suchtverhalten.

Klassische Substanzen verlieren an Bedeutung

Der langfristige Trend beim Alkoholkonsum setzt sich fort: Vier von fünf Jugendlichen haben im Jahr vor der Erhebung Alkohol getrunken, knapp zwei Drittel auch in den 30 Tagen vor der Befragung. Dennoch zeigt sich ein Rückgang, wobei fast jeder Zweite (46,9 Prozent) bereits einen Rausch erlebt hat. Bei 8,0 Prozent der Befragten registrierten die Forscher einen riskanten Konsum.

Noch deutlicher fällt der Rückgang beim Tabakkonsum aus: Mehr als ein Drittel der Jugendlichen (38,5 Prozent) hat schon einmal Tabak konsumiert, in den 30 Tagen vor der Erhebung war es jeder Fünfte (20,8 Prozent). Im Vergleich zu vor 20 Jahren werden deutlich weniger Zigaretten geraucht.

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E-Zigaretten erleben dramatischen Aufschwung

Während klassische Zigaretten an Beliebtheit verlieren, greifen Jugendliche vermehrt zu E-Zigaretten. Fast jeder Zweite (47,3 Prozent) hat diese mindestens einmal probiert, in den 30 Tagen vor der Befragung hatte fast jeder Dritte E-Zigaretten geraucht (30,0 Prozent).

Der Konsum hat sich seit 2015 über alle Schulformen mindestens verdoppelt, teilweise sogar verdreifacht, betonen die Wissenschaftler. Dieser Trend stellt die Präventionsarbeit vor neue Herausforderungen.

Cannabis: Gesamtkonsum sinkt, problematischer Gebrauch steigt

Der Cannabiskonsum sank zwar im Vergleich zu 2019 insgesamt, doch die Zahl der Jugendlichen, die Cannabis in problematischer Weise konsumieren, stieg im Jahr 2024 deutlich an. Dies betraf knapp zwei Prozent aller Befragten.

Seit der Legalisierung 2024 habe die Substanz in Deutschland an gesellschaftlicher und gesundheitspolitischer Relevanz gewonnen. Die erhöhte Verfügbarkeit infolge der Legalisierung berge Risiken, insbesondere mit Blick auf die Zugänglichkeit für Minderjährige.

Medikamentenmissbrauch nimmt besorgniserregend zu

Ein besonders alarmierender Trend zeigt sich beim Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Tranquilizern. Dieser nimmt unter Bayerns Jugendlichen deutlich zu und erfolgt oft sogar ohne ärztliche Anordnung.

Positive Effekte wie Angstlinderung sowie steigende psychische Belastungen, teils durch intensive Nutzung sozialer Medien, begünstigen diesen Trend. Teilweise würden Medikamente sogar mit Alkohol eingenommen, manche Jugendlichen nähmen auch Schmerzmittel ohne medizinische Notwendigkeit.

Digitale Medien als neue Suchtgefahr

Soziale Medien und Computerspiele entwickeln sich zu einem zentralen Problembereich. Knapp 81 Prozent der Jugendlichen geben selbst an, zu viel Zeit mit sozialen Medien zu verbringen, Mädchen noch häufiger als Jungen.

Problematische Internetnutzung sahen die Forscher bei rund 16,5 Prozent der Befragten, wobei 21,5 Prozent der Mädchen und 11,3 Prozent der Jungen betroffen waren. Das soziale Leben Jugendlicher verlagere sich zunehmend in virtuelle Räume, die ein Umfeld für die Entstehung problematischer Verhaltensmuster bieten könnten.

Bei Computerspielen war mehr als ein Drittel der Jugendlichen (37,9 Prozent) selbst der Meinung, zu viel Zeit damit zu verbringen – deutlich mehr als im Jahr 2015. Bei Jungen (52,2 Prozent) war dies häufiger der Fall als bei Mädchen (23,9 Prozent).

Illegale Drogen und Glücksspiele bleiben relevant

Bei illegalen Drogen bleibe es oft beim Probieren, dennoch sei das Thema weiter relevant. Am häufigsten würden neue psychoaktive Substanzen konsumiert, gefolgt von Amphetaminen und Kokain. Gesunken ist der Konsum von Schnüffelstoffen, die aber leicht verfügbar seien und hohe gesundheitliche Risiken brächten.

Glücksspiele mit Geldeinsatz seien trotz Altersbeschränkung unter Jugendlichen verbreitet; Online-Angebote erleichterten den Zugang erheblich.

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Fazit und Handlungsbedarf

Die Studie des IFT Instituts für Therapieforschung, die vom bayerischen Gesundheitsministerium gefördert wurde, bestätigt internationale Trends und zeigt gleichzeitig spezifische Entwicklungen im Freistaat auf. Während klassische Suchtmittel wie Alkohol und Zigaretten an Bedeutung verlieren, treten neue Gefahren in den Vordergrund.

Die Forscher mahnen eine kontinuierliche Beobachtung der Konsummuster und den Ausbau präventiver Angebote an. Insbesondere im Bereich der digitalen Medien und des Medikamentenmissbrauchs sehen sie dringenden Handlungsbedarf, um negative gesundheitliche und soziale Konsequenzen für die junge Generation zu verhindern.