Jugendherbergen im Wandel: Familien sparen, Schulen brauchen mehr pädagogische Programme
Jugendherbergen: Familien sparen, Schulen brauchen mehr Programme

Jugendherbergen im Umbruch: Finanzielle Belastungen und neue pädagogische Herausforderungen

Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) steht vor erheblichen Veränderungen in seinen Zielgruppen. Nach der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg müssen die Jugendherbergen neue Wege gehen, um den Bedürfnissen ihrer Gäste gerecht zu werden. Hauptgeschäftsführer Oliver Peters betonte bei der Vorstellung der Jahreszahlen für 2025 in Detmold, dass insbesondere die pädagogischen Programme intensiviert werden müssen.

Schulklassen benötigen verstärkte Betreuung

Bei Schulklassen hat sich der Bedarf an pädagogischer Unterstützung deutlich erhöht. Die Programme müssen verstärkt Themen wie Emotionen, soziales Verhalten in der Gruppe, Einsamkeit und Medienkompetenz aufgreifen. Hier zeigt sich ein klarer Trend hin zu mehr Betreuung und Begleitung, so Peters. Mit 3,7 Millionen Übernachtungen blieben die Zahlen im Bereich der Schul- und Klassenfahrten stabil, was 42 Prozent aller Gäste ausmacht und diese zur größten Besuchergruppe macht.

Familien reagieren auf finanzielle Belastungen

Bei den Familien gibt es zwar keinen Rückgang beim Zuspruch für Jugendherbergen, aber die Gäste schauen vermehrt aufs Geld. Die Zahl der Übernachtungen pro Familie wird kleiner, erklärte Peters. Dies führt er auf die klammen privaten Kassen infolge der Inflation der vergangenen Jahre zurück. Familien stellen mit 20 Prozent die zweitgrößte Gästegruppe dar, gefolgt von Wander- und Freizeitgruppen mit 15 Prozent.

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Gesamtrückgang und neue Angebote

Insgesamt verzeichnete das DJH bundesweit 8,8 Millionen Übernachtungen in den 14 eigenständigen Landesverbänden. Dies entspricht einem Rückgang von rund 2,8 Prozent im Vergleich zu Vorjahren. Der gemeinnützige Verband bot im vergangenen Jahr in 394 Häusern etwa 65.000 Betten an, was einem Schnitt von 166 Schlafmöglichkeiten pro Herberge entspricht. Von den Übernachtungen wurden etwa 515.000 von ausländischen Gästen gebucht.

Zusätzlich zu den traditionellen Angeboten hat der DJH in klassischen Universitätsstädten Übernachtungsmöglichkeiten für angehende Studierende geschaffen. Diese sollen die Zeit der Wohnungssuche zum Semesterbeginn überbrücken. Allerdings können hier keine genauen Zahlen genannt werden, da diese Übernachtungen in der Statistik nicht gesondert ausgewertet werden.

Stabile Mitgliederzahlen und Personalstruktur

Die Zahl der Mitglieder des Deutschen Jugendherbergswerks bleibt mit 2,3 Millionen konstant. Bundesweit arbeiten fast 5.400 Mitarbeiter hauptamtlich für den Verband, unterstützt von rund 670 Ehrenamtlichen. Diese Struktur ermöglicht es, trotz der Herausforderungen weiterhin ein breites Angebot für verschiedene Zielgruppen bereitzustellen.

Die Jugendherbergen stehen somit an einem Wendepunkt, an dem sie sich sowohl auf finanzielle Einschränkungen bei Familien als auch auf gestiegene pädagogische Anforderungen bei Schulklassen einstellen müssen. Die Anpassung der Programme und Angebote wird entscheidend sein, um auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Freizeit- und Bildungsbereich zu spielen.

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