Junge Stimmen erheben sich: Wie Kinder und Jugendliche politisch aktiv werden
Politisches Engagement ist längst nicht mehr nur Erwachsenen vorbehalten. Immer mehr junge Menschen ergreifen die Initiative und setzen sich für ihre Anliegen ein. Fünf Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Regionen Deutschlands berichten von ihren Erfahrungen mit selbstorganisierten Demonstrationen, Petitionen und parteipolitischer Arbeit.
Schülerdemonstration für bessere Bildungseinrichtungen
Toni und Lotta, beide zwölf Jahre alt und aus Bremen, haben im Frühjahr 2025 eine Demonstration organisiert, um auf Missstände an ihrer Schule aufmerksam zu machen. "Unsere Schule wurde vor zwei Jahren neu gegründet und wir mussten uns das Gebäude mit einer Grund- und einer Berufsschule teilen", erklärt Toni. "Dadurch gab es ständig Platzprobleme, die Sporthalle konnten wir kaum nutzen und der Schulhof bot kaum Möglichkeiten zur Bewegung."
Nachdem ein Brief an die Bremer Bildungssenatorin unbeantwortet blieb, entschieden sich die beiden für eine öffentliche Aktion. Im Rahmen eines Schulprojekts zum Thema Verantwortung planten sie eine Demonstration mit bis zu 100 Teilnehmern. "Wir haben die Route festgelegt, Formulare ausgefüllt, Flyer erstellt und ein Banner gemalt", berichtet Lotta. "Unsere Sprüche wie 'Wessen Bildung? Unsere Bildung!' hallten durch die Straßen."
Mittlerweile hat sich die Situation verbessert: Die Berufsschule ist ausgezogen und es gibt neue Sportgeräte. Ob dies direkt auf ihre Demonstration zurückzuführen ist, wissen die Schülerinnen nicht genau, aber sie sind überzeugt: "Wir haben mit unserer Aktion definitiv Druck erzeugt."
Jugendparlament als demokratische Stimme
Carlotta, fünfzehn Jahre alt aus Siegen, engagiert sich seit vier Jahren im Jugendparlament ihrer Stadt. "Angesichts von Krisen und Klimawandel fühlen sich viele Jugendliche hoffnungslos", sagt sie. "Mir hilft es, mich zu engagieren, selbst wenn es nur um funktionierende Waschbecken in der Schule geht."
Das Jugendparlament bietet jungen Menschen, die noch nicht wählen dürfen, eine politische Stimme. Carlotta ist seit anderthalb Jahren im Vorstand und organisiert regelmäßig Veranstaltungen wie das "Konzert gegen Rechts" oder ein Politik-Quiz vor der Bürgermeisterwahl. "Durch das JuPa habe ich gelernt, vor vielen Leuten zu sprechen und Projekte zu managen", berichtet sie stolz.
Petition gegen unangekündigte Prüfungen
Amelie, achtzehn Jahre alt aus München, startete vor anderthalb Jahren eine Petition gegen sogenannte "Exen" (extemporale Prüfungen) in Bayern. "Weil man immer damit rechnen muss, dass in der nächsten Stunde eine unangekündigte Prüfung ansteht, schwebt bei vielen Schülern eine ständige Panik mit", erklärt sie.
Ihre Petition sammelte über 50.000 Unterschriften und erregte sogar die Aufmerksamkeit von Ministerpräsident Markus Söder. "Seine kritischen Worte haben mich nur noch mehr motiviert", sagt Amelie. "Ich dachte: Wow, ich allein habe es geschafft, so ein Thema zu setzen!" Obwohl die Petition abgewiesen wurde, plant sie mit Mitstreitenden weitere Aktionen für bessere Lernbedingungen.
Parteipolitisches Engagement bei den Grünen
Benedikt, vierzehn Jahre alt aus Ingolstadt, ist Mitglied der Grünen Jugend. "Als ich begann, Social Media zu nutzen, wurden mir viele rechte Inhalte angezeigt", erzählt er. "Das machte mir Angst und ich beschloss, mich für die Demokratie einzusetzen."
Nachdem er verschiedene Wahlprogramme studiert hatte, entschied er sich für die Grünen. "Sie sind die einzige Partei ohne Mindestalter und setzen sich für Umweltschutz, Frieden und ein gerechtes Schulsystem ein", begründet er seine Wahl. Als politischer Geschäftsführer seiner Ortsgruppe organisiert er regelmäßig Infostände, Demos und Diskussionsrunden.
Politische Teilhabe als demokratisches Grundrecht
Diese Beispiele zeigen deutlich: Junge Menschen wollen und können politisch mitgestalten. Ob in schulischen Projekten, kommunalen Gremien oder parteipolitischen Organisationen – ihr Engagement ist vielfältig und wirksam. Klimakrise, Bildungspolitik und gesellschaftliche Werte betreffen Kinder und Jugendliche besonders stark, doch oft werden sie in Entscheidungsprozesse nicht ausreichend einbezogen.
Die vorgestellten Jugendlichen beweisen das Gegenteil: Mit Kreativität, Ausdauer und dem Mut, ihre Stimme zu erheben, schaffen sie es, Themen zu setzen und Veränderungen anzustoßen. Ihr Engagement stärkt nicht nur die Demokratie, sondern zeigt auch, dass politische Partizipation keine Altersfrage ist.



