Neue Studie: KI-Chatbots bei Kindern und Jugendlichen weit verbreitet
Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in Form von Chat-Programmen hat bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland stark zugenommen und gehört inzwischen für viele zum digitalen Alltag. Das zeigt die aktuelle Mediennutzungsstudie der Krankenkasse DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, die heute in Berlin vorgestellt wurde.
Chatbots als Lernwerkzeug und Vertrauensperson
Laut den Umfragedaten nutzen 20,8 Prozent der befragten 10- bis 17-Jährigen Programme wie ChatGPT oder Gemini mehrmals pro Woche. 6,4 Prozent greifen sogar täglich auf diese KI-Anwendungen zurück. Die Studie zeigt dabei ein interessantes Nutzungsmuster: Während Chatbots häufig als Lern- und Informationswerkzeug eingesetzt werden, übernehmen sie für manche Kinder auch sozial-emotionale Funktionen.
„Manchmal vertraue ich Chatbots Dinge an, die ich sonst keinem oder nur engen Freunden erzählen würde“ – dieser Aussage stimmten 7 Prozent der befragten Kinder zu. Weitere 3,4 Prozent gaben an, dies „oft“ oder „sehr oft“ zu tun. Diese Zahlen basieren auf den Angaben von 644 Kindern, die Chat-Programme nach eigenen Aussagen nicht „nie“ nutzen.
Problematische Mediennutzung bleibt auf hohem Niveau
Insgesamt wurden für die Studie 1.005 Kinder zwischen 10 und 17 Jahren gemeinsam mit jeweils einem Elternteil vom 24. September bis 12. Oktober 2025 vom Institut Forsa befragt. Es handelt sich um die achte Welle einer seit 2019 laufenden Langzeituntersuchung zur Mediennutzung.
Trotz leichter Rückgänge bei den Nutzungszeiten bleibt die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit einer problematischen Mediennutzung laut der neuen Untersuchung sehr hoch. Bemerkenswert aus Sicht der Suchtvorbeugung ist ein starker Anstieg bei der Nutzung von Online-Videos auf Plattformen wie TikTok und YouTube. Damit rücken auch verbreitete Darstellungselemente wie endloses Scrollen oder automatische Wiedergaben stärker in den Fokus der Präventionsarbeit.
Social-Media-Nutzung: Zahlen und Trends
Die Studie zeigt deutliche Geschlechterunterschiede bei der Social-Media-Nutzung:
- 88,8 Prozent der Mädchen nutzen Social-Media-Angebote wie Messenger, Streamingdienste oder Fotoalben regelmäßig
- 69,8 Prozent der Mädchen tun dies täglich
- Bei Jungen liegen diese Anteile bei 86,1 Prozent (regelmäßig) und 66,8 Prozent (täglich)
Die durchschnittliche Nutzungsdauer lag laut der Befragung von Herbst 2025 werktags bei 146 Minuten pro Tag und an Wochenenden bei 201 Minuten pro Tag. Dies bedeutet eine leichte Verkürzung gegenüber dem Vorjahr, als noch 157 Minuten werktags und 227 Minuten an Wochenenden gemessen wurden.
Riskanter Umgang mit digitalen Medien
Der Anteil der Kinder mit einer riskanten Social-Media-Nutzung liegt aktuell bei 21,5 Prozent – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr mit 21,1 Prozent. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung zeigen damit etwa 1,4 Millionen der 10- bis 17-Jährigen in Deutschland problematische Nutzungsmuster.
Zu diesen Mustern zählen sowohl eine riskant starke Nutzung als auch eine krankhafte Nutzung, bei der es zu Kontrollverlusten bei der Dauer oder einer Vernachlässigung anderer Alltagsaktivitäten kommen kann. Die Studie unterscheidet dabei klar zwischen verschiedenen Intensitätsstufen der problematischen Mediennutzung.
Politische Forderungen nach gesetzlicher Regulierung
DAK-Chef Andreas Storm betonte bei der Vorstellung der Studie: „Die anhaltend hohe Mediensucht zeigt den großen Handlungsbedarf. Für eine sinnvolle Altersregulierung braucht es jetzt eine rasche gesetzliche Regelung bis zur Sommerpause.“
Storm forderte weiter: „Damit erste Maßnahmen dann bereits im kommenden Schuljahr greifen, sollten wir unabhängig von einer EU-weiten Lösung handeln.“ In der politischen Diskussion haben sich CDU und SPD bereits für ein Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige ausgesprochen, was die Debatte um gesetzliche Altersgrenzen weiter anheizt.
Die Studie macht deutlich, dass die Integration von KI-Technologien in den Alltag von Kindern und Jugendlichen neue Herausforderungen für den Jugendschutz mit sich bringt. Während die Technologie neue Lernmöglichkeiten eröffnet, zeigen die Daten auch potenzielle Risiken auf, die einer gezielten Präventionsarbeit bedürfen.



