Mediensucht bei Jugendlichen erreicht besorgniserregendes Niveau
Der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen entwickelt sich zunehmend zu einem ernsthaften Problem. Laut einer aktuellen Studie der Krankenkasse DAG zeigen sich alarmierende Nutzungsmuster, die durch den Einsatz von KI-Chatbots noch verstärkt werden. Die Untersuchung offenbart, dass bis zu zehn Prozent der befragten Minderjährigen künstliche Intelligenzanwendungen nutzen, um Einsamkeitsgefühle zu bekämpfen.
KI-Chatbots als emotionale Stütze
Besonders bedenklich ist der Befund, dass bei Jugendlichen mit depressiven Symptomen sogar 33 Prozent auf KI-Chatbots zurückgreifen. Ebenfalls ein Drittel der Befragten gab an, dass ein Chatbot sie besser verstehe als ein echter Mensch. Kerstin Paschke, Studienleiterin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, warnt vor den Risiken: "Primär kommerziell motivierte KI-Chatbots bergen besondere Gefahren für Kinder und Jugendliche."
Durch bestätigende Reaktionen der künstlichen Intelligenz könnten Minderjährige über parasoziale Beziehungen emotionale Bindungen zu den Chatbots entwickeln. Diese Dynamik begünstige problematische Nutzungsmuster und verstärke suchtähnliches Verhalten.
Verbreitete Nutzung und Vertrauen in KI
Mehr als jeder vierte Minderjährige nutzt KI-Anwendungen mehrmals pro Woche, wie die Studie weiter zeigt. Dabei vertrauen mehr als zwei Drittel den Aussagen der künstlichen Intelligenz zumindest gelegentlich. Die Hauptanwendungsbereiche sind:
- Hilfe bei Hausaufgaben
- Beschaffung von Informationen
- Neugier und Unterhaltung
Mehr als die Hälfte der Jugendlichen setzt KI aus Spaß oder aus reiner Neugierde ein, was die Allgegenwärtigkeit dieser Technologien im Alltag junger Menschen unterstreicht.
Besorgniserregende Suchtzahlen
Insgesamt bleibt die Mediensucht bei Minderjährigen auf einem hohen Niveau. Jedes vierte Kind zeigt eine problematische Social-Media-Nutzung, was hochgerechnet etwa 1,5 Millionen junge Menschen betrifft. Konkret bedeutet dies:
- 21,5 Prozent der Zehn- bis 17-Jährigen haben eine riskante Mediennutzung
- 6,6 Prozent gelten als mediensüchtig (etwa 350.000 Kinder und Jugendliche)
- Der Anteil mediensüchtiger Minderjähriger stieg um 1,9 Prozent
Onlinevideos und Doomscrolling im Fokus
Besonders auffällig ist der starke Anstieg bei der Nutzung von Onlinevideos auf Plattformen wie TikTok und YouTube. Jeder fünfte Jugendliche nutzt diese Angebote auf riskante Weise, wobei der Wert im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent gestiegen ist. Vier Prozent erfüllen sogar die Suchtkriterien in diesem Bereich.
Aus Sicht der Suchtvorbeugung sind verbreitete Darstellungselemente wie endloses Scrollen (Doomscrolling) oder automatische Wiedergaben besonders problematisch. Diese Mechanismen fördern exzessive Nutzungszeiten und erschweren die Kontrolle über das eigene Medienverhalten.
Elterliche Kontrolle und politische Forderungen
Die Studie zeigt auch, dass 61,5 Prozent der Eltern mit ihren Kindern über deren Mediennutzung sprechen. Ähnlich viele geben vor, welche Inhalte ihr Kind konsumieren darf. Bei den Zehn- bis 13-Jährigen sind Eltern deutlich strenger: In dieser Altersgruppe setzen über 90 Prozent Regeln zu Angeboten und Inhalten durch.
Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK, fordert gesetzliche Regelungen zur Altersregulierung bis zur Sommerpause: "Damit erste Maßnahmen bereits im kommenden Schuljahr greifen, sollten wir unabhängig von einer EU-weiten Lösung handeln." Eine frühzeitige Vermittlung von Medienkompetenz in Schulen sei dabei von entscheidender Bedeutung.
Für die Erhebung wurden Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren sowie jeweils ein Elternteil befragt. Die Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit, sowohl technologische als auch pädagogische Lösungen für den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln.



