MaLisa-Studie: Soziale Medien formen Weltbilder von Jugendlichen – Besorgnis bei Jungen
Soziale Medien prägen Jugendliche – Besorgnis bei Jungen

Soziale Medien als zentraler Wertekompass für Jugendliche

Für die junge Generation in Deutschland haben soziale Medien eine fundamentale Bedeutung als Informationsquelle und Orientierungshilfe entwickelt. Neun von zehn Jugendlichen nutzen Plattformen wie TikTok oder Instagram aktiv, um sich über Themen zu informieren, die sie persönlich interessieren. Diese zentrale Rolle digitaler Netzwerke belegt eindrücklich eine aktuelle Studienreihe des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI).

Die Untersuchung mit dem Titel „Soziale Medien, Geschlechterbilder und Werte“ wurde von der MaLisa Stiftung initiiert, die von der Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth gegründet wurde. Unterstützung erhielt das Forschungsprojekt zudem vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.

Plattformen als Orte der Weltdeutung

Die Studie dokumentiert, dass 84 Prozent der befragten 13- bis 18-Jährigen in sozialen Netzwerken regelmäßig Kommentare lesen, um Diskussionsverläufe zu verfolgen. Zwei Drittel der Jugendlichen informieren sich auf diesen Plattformen über politische Themen und aktuelle Zeitgeschehnisse. Die Forschungsergebnisse kommen zu dem klaren Schluss, dass soziale Medien für viele Heranwachsende inzwischen „zentrale Orte der Weltdeutung und Wertebildung“ darstellen.

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Diese Entwicklung birgt nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhebliche Risiken, da die algorithmisch gesteuerten Inhalte oft einseitige oder extremistische Positionen verstärken können.

Besorgniserregende Entwicklungen bei männlichen Jugendlichen

Besonders alarmierend sind die Studienergebnisse bezüglich der Weltbilder von Jungen. Rund 26 Prozent der befragten männlichen Jugendlichen weisen laut der Untersuchung ein „besorgniserregendes Weltbild“ auf. Dieses ist charakterisiert durch eine gefährliche Kombination verschiedener problematischer Einstellungen:

  • Rechte politische Orientierungen
  • Klimaskeptische oder klimaleugnende Positionen
  • Ablehnung von LGBTQ+-Rechten
  • Traditionelle, hierarchische Männlichkeitsbilder

Die Forschung dokumentiert erstmals wissenschaftlich, dass diese verschiedenen Elemente häufig gemeinsam auftreten und sich gegenseitig verstärken. Diese Bündelung unterschiedlicher problematischer Einstellungen stellt nach Einschätzung der Expertinnen und Experten eine neue Qualität dar.

Algorithmen verstärken problematische Inhalte

Qualitative Analysen des Forschungsteams zeigen zudem, wie Algorithmen in sozialen Medien problematische Inhalte verstärken. Der TikTok-Algorithmus kann Jungen, die sich beispielsweise für Fitness oder Luxusautos interessieren, vermehrt Inhalte rechtsextremer Akteure oder der sogenannten „Manosphere“ anzeigen.

Diese digitalen Netzwerke knüpfen gezielt an emotionale Zustände wie Einsamkeit oder Frustration an und bieten scheinbare Lösungen durch einfache Weltbilder. Die „Manosphere“ umfasst frauenverachtende Inhalte, die sich besonders an junge Männer richten und stereotype Geschlechterrollen propagieren. In diesen Kreisen werden Männer häufig als Opfer der Gleichberechtigung dargestellt, und Gewalt gegen Frauen wird verharmlost oder sogar gerechtfertigt.

Gegenimpulse zeigen erste Wirkungen

In einer weiteren Untersuchung testete das Forschungsteam kurze Gegenimpulse in Form von zwölfsekündigen TikTok-Clips. Bei rechtsorientierten Jungen sank die Zustimmung zur sogenannten „Red-Pill-Ideologie“ nach dem Anschauen eines solchen Videos von 50 auf 43 Prozent. Die Forschenden betonen jedoch, dass über langfristige Effekte dieser kurzen Interventionen noch keine Aussagen möglich sind.

Die umfangreiche Studienreihe basiert auf einer repräsentativen Befragung von 705 Jugendlichen sowie weiteren qualitativen und medienanalytischen Untersuchungen, die zwischen Februar und September 2025 durchgeführt wurden. Die Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, Medienkompetenz und kritische Reflexionsfähigkeit bei Jugendlichen zu stärken.

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