Die gefährliche Seite von Instagram und TikTok
Glatte Haut, schmale Gesichter und makellose Körper – diese Bilder dominieren heute unsere sozialen Medien. Professorin Eva Wunderer, Entwicklungspsychologin, erforscht intensiv die Auswirkungen von Plattformen wie TikTok und Instagram auf das menschliche Wohlbefinden. Ihre Erkenntnisse sind alarmierend: Die ständige Konfrontation mit bearbeiteten Bildern kann krank machen.
Vom Model-Vergleich zum Druck durch die Nachbarschaft
Früher verglichen sich Menschen vor allem mit professionellen Models, bei denen klar war, dass Fotografen, Make-up-Artisten und aufwendige Bearbeitung hinter den perfekten Aufnahmen steckten. Heute hat sich diese Dynamik grundlegend verändert. Jede Person kann mit dem Smartphone beeindruckende Fotos aufnehmen, sie in Apps optimieren und sofort online stellen. Dadurch findet der Vergleich nicht mehr nur mit unerreichbaren Stars statt, sondern zunehmend mit Menschen aus dem eigenen Umfeld.
Dieser ständige Vergleich mit scheinbar normalen Gleichaltrigen setzt viele unter enormen Druck. Die Frage „Warum sehe ich nicht so aus wie die Mitschülerin oder der Mitschüler?“ kann zu tiefgreifenden Selbstzweifeln führen. Professorin Wunderer und ihr Team untersuchten speziell die Auswirkungen auf junge Menschen, die bereits mit Essstörungen oder einem gestörten Körperbild kämpfen.
Der schleichende Weg in die Gefahrenzone
Die Forschung zeigt einen typischen Ablauf: Zuerst nimmt eine Person ein Foto von sich auf und stellt fest, dass sie nicht den auf Social Media präsentierten Idealen entspricht. Der nächste Schritt ist oft die Bearbeitung des Bildes mit Filtern, die die Haut glätten oder das Gesicht schmaler wirken lassen. Wenn das nicht ausreicht, folgen häufig Veränderungen im realen Leben – eine restriktivere Ernährung, exzessiver Sport oder andere Maßnahmen, um dem vermeintlichen Schönheitsideal näherzukommen.
Soziale Medien sind nicht die alleinige Ursache für Essstörungen, aber sie können den Prozess erheblich beschleunigen und verstärken. Auch Filter sind nicht per se negativ; es gibt durchaus unterhaltsame Varianten, die das Gesicht verzerren oder verspielte Elemente hinzufügen. Doch viele Filter transportieren unrealistische und unerreichbare Schönheitsvorstellungen.
Die Sucht nach Dopamin und die dunklen Seiten der Algorithmen
Insgesamt führen soziale Medien dazu, dass wir häufiger über unseren Körper nachdenken und ihn mit anderen vergleichen. Dieser ständige Vergleich kann psychisch krank machen. Ein naheliegender Ratschlag wäre, weniger Zeit auf diesen Plattformen zu verbringen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Die kurzen Videos, Bilder und Musikclips sorgen für eine Ausschüttung von Dopamin im Gehirn – ein Botenstoff, der Glücksgefühle und Spannung erzeugt. Dieser Mechanismus macht es schwer, die Apps wieder zu schließen, und kann sogar süchtig machen.
Gleichzeitig haben soziale Medien durchaus positive Aspekte. Sie ermöglichen den Austausch über Hobbys, das Knüpfen neuer Kontakte und die Verbindung mit Menschen in fernen Ländern. Doch die Schattenseiten sind gravierend. Algorithmen zeigen oft Inhalte an, die negative Emotionen wie Traurigkeit oder Angst verstärken. In Australien wurde bereits ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt. Professorin Wunderer plädiert für ähnliche Maßnahmen in Deutschland, um junge Menschen besser zu schützen.
Die Debatte um Schönheitsdruck und soziale Medien gewinnt zunehmend an Bedeutung. Es geht nicht darum, diese Plattformen pauschal zu verdammen, sondern um einen bewussteren Umgang und wirksame Schutzmechanismen für die vulnerabelsten Nutzergruppen.



