Vor genau einem Jahr, in der Nacht zum 1. Mai 2025, ereignete sich in Weisen ein tödlicher Autounfall. Der 20-jährige Deniz Mario Vasilev verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug und prallte gegen Bäume, ein Verkehrsschild und einen Zaun. Das Auto wurde zerrissen, der junge Mann aus dem Wagen geschleudert und starb noch an der Unfallstelle. Seine Freundin überlebte schwer verletzt.
Ein Jahr später beschäftigt der Tod die Hinterbliebenen noch immer – denn sie erheben schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Der Vater des Verstorbenen sagt: „Wie ein Tier hat man uns behandelt.“ Die zuständige Polizeibehörde weist die Anschuldigungen zurück. Was bleibt, sind Trauer und Unverständnis.
Der Unfallhergang
Deniz Mario Vasilev war in den frühen Morgenstunden von Perleberg in Richtung Wittenberge unterwegs. In Perleberg hatte am Vortag die Kneipennacht stattgefunden, daher gab es verstärkte Verkehrskontrollen. Ein Streifenwagen wurde auf Vasilev aufmerksam und nahm die Verfolgung auf, wegen einer augenscheinlichen Geschwindigkeitsüberschreitung, so die Polizei.
In Weisen, auf der Chausseestraße, wollte er eine Rechtskurve nehmen. Dabei verlor er die Kontrolle, kam von der Fahrbahn ab und kollidierte mit Hindernissen. Der Aufprall war so heftig, dass das Auto in zwei Teile gerissen wurde. Vasilev wurde aus dem Fahrzeug geschleudert und starb noch an der Unfallstelle. Seine Freundin konnte mit schweren Verletzungen geborgen werden.
Schuldvorwürfe der Familie
Die Eltern des Verstorbenen bemängeln, dass sie nicht sachgemäß über den Tod informiert worden seien. Sie erfuhren erst von Bekannten von dem Unfall. Zudem sei ihnen die Identifizierung des Leichnams verweigert worden. Aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse habe kaum Kommunikation stattgefunden.
Die Polizei hingegen erklärt, dass ein Dolmetscher und ein Seelsorger angefordert wurden. Die Eltern hätten den Seelsorger jedoch abgelehnt. Die Eltern beteuern, dass niemand sie informiert habe. Sie fühlten sich alleingelassen.
Darüber hinaus beklagen die Angehörigen ein strukturelles Problem: Deniz Mario Vasilev sei vor dem Unfall ständigem Polizeidruck ausgesetzt gewesen und überproportional häufig kontrolliert worden. Wenige Monate zuvor hatte er seinen Führerschein verloren. Aus Angst vor der Polizei sei er geflüchtet, was letztlich zu seinem Tod führte. Der Vater sagt: „Wir sind vielleicht Ausländer, aber wir haben trotzdem eine Seele.“ Die Familie fordert eine Aufarbeitung des Vorwurfs des strukturellen Rassismus.
Befragung der Beifahrerin
Die Freundin des Verstorbenen, die als Beifahrerin im Auto saß, wurde noch am Unfalltag im Krankenhaus als Zeugin vernommen – nach Ansicht der Familie ein Verfahrensfehler. Die Polizei bestätigt die Befragung im Beisein der Mutter und nach Rücksprache mit den Ärzten. Die Eltern behaupten jedoch, dass die Verletzte später ihre Aussage habe widerrufen wollen, was ihr nicht gestattet worden sei. Die Polizei hat dazu keine Informationen.
Forderungen der Angehörigen
Die Eltern und Omid, der beste Freund des Verstorbenen, fordern eine unabhängige Untersuchung. „Gerechtigkeit für Deniz. Das ist das Letzte, was wir für ihn noch tun können“, sagen sie. Es gehe darum, sicherzustellen, dass andere Familien nicht die gleichen Erfahrungen machen müssen. Omid besucht jede Woche mehrmals das Grab: „Es beruhigt mich, bei Deniz zu sein.“



