Ein neuer Skandal erschüttert die AfD im Saarland: Der Fraktionschef Josef Dörr (87) soll seinen eigenen Sohn mit einem Job in der Landtagsfraktion versorgt haben – obwohl dieser als Lehrer krankgeschrieben war. Der Fall, den der „Spiegel“ aufdeckte, wirft ein Schlaglicht auf die Vetternwirtschaft in der Partei.
Krankgeschrieben, aber fit für die Fraktion
Michel Dörr (62) ist verbeamteter Lehrer im Saarland. Vor einem Jahr ließ er sich krankschreiben – angeblich so schwer, dass er nicht unterrichten konnte. Gleichzeitig war er jedoch als Mitarbeiter der AfD-Fraktion angestellt und bezog dafür Steuergeld. Sein Arbeitgeber, das saarländische Bildungsministerium, erfuhr erst davon, als die Fraktion eine Zugangskarte für den Landtag beantragte.
Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, Nebentätigkeiten könnten untersagt werden, besonders wenn der Eindruck entstehe, ein Beamter sei „zu krank zum Arbeiten, aber fit genug für einen Nebenjob“. Nun werde geprüft, ob dienstrechtliche Konsequenzen folgen. Zudem hatte Dörr junior die Nebentätigkeit offenbar nicht angemeldet – ein klarer Verstoß gegen Beamtenregeln. Inzwischen ist er wieder im Schuldienst tätig.
Systematische Vetternwirtschaft bei der Saar-AfD
Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Vetternwirtschaftsvorwürfen gegen die AfD im Saarland. So soll auch die Ehefrau eines Vize-Fraktionschefs beschäftigt sein. Ein AfD-Bundestagsabgeordneter kassiert zusätzlich zu seinen Diäten von rund 11.800 Euro noch Geld als Mitarbeiter der Landtagsfraktion. Besonders pikant: In anderen Bundesländern hatte die AfD zuvor scharf gegen Lehrer gewettert, die krankgeschrieben waren und nebenbei arbeiteten.
Die Partei, die sich gerne als Hüterin von Rechtsstaatlichkeit und Anstand inszeniert, steht nun selbst massiv in der Kritik. Weder Josef Dörr noch sein Sohn wollten sich zu den Vorwürfen äußern. Die saarländische AfD schweigt.



