Antisemitische Gewalt erreicht besorgniserregenden Höchststand
Die Zahl schwerer antisemitischer Straftaten hat im vergangenen Jahr weltweit den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten erreicht. Dies geht aus dem aktuellen Jahresbericht der Universität Tel Aviv hervor, der eine dramatische Zunahme judenfeindlicher Gewalt dokumentiert. Die Studie verzeichnet für 2025 insgesamt 20 Todesopfer bei vier Anschlägen auf drei verschiedenen Kontinenten – die höchste Zahl antisemitisch motivierter Morde seit mehr als 30 Jahren.
Internationale Anschläge mit tödlichen Folgen
Die Gewalttaten ereigneten sich in verschiedenen Teilen der Welt. In Manchester wurden an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, zwei Menschen vor einer Synagoge getötet. In den USA gab es mehrere tödliche Angriffe auf jüdische Einrichtungen. Besonders verheerend war der Terroranschlag auf eine Chanukka-Feier am Bondi Beach in Australien, bei dem im Dezember 15 Menschen starben. Diese Vorfälle stellen laut den Forschern nur die Spitze des Eisbergs dar, da gleichzeitig in vielen Ländern die Zahl von Übergriffen wie Schlägen oder Steinwürfen deutlich zugenommen hat.
Komplexe Entwicklung mit regionalen Unterschieden
Der Bericht zeichnet ein differenziertes Bild der globalen Entwicklung. Während einige Staaten leichte Rückgänge bei der Gesamtzahl antisemitischer Vorfälle verzeichneten, bleibt das Niveau überall deutlich höher als vor 2022. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit der Eskalation im Nahen Osten, die ihren Ausgang im Massaker der islamistischen Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 nahm. Darauf folgten der verheerende Gazakrieg sowie kriegerische Auseinandersetzungen Israels und der USA mit Iran und seinen Verbündeten in der Region.
Nach dem massiven Anstieg antisemitischer Vorfälle unmittelbar nach dem 7. Oktober 2023 war zunächst eine leichte Entspannung zu beobachten. Diese positive Entwicklung setzte sich jedoch 2025 nicht fort. Stattdessen nahm insbesondere die schwere Gewalt gegen jüdische Einrichtungen und Personen wieder deutlich zu.
Besorgniserregende Zahlen in Deutschland
In Deutschland wurden laut dem Bericht 2025 insgesamt 5.729 antisemitische Vorfälle registriert. Dies stellt zwar einen Rückgang im Vergleich zu 6.560 Fällen im Vorjahr dar, liegt jedoch weiterhin deutlich über dem Niveau von 2022, als 2.811 Vorfälle gezählt wurden. Die Daten lassen befürchten, dass ein hohes Maß an antisemitischen Vorfällen zur Normalität wird, warnte der Herausgeber des Berichts, Urija Schavit.
Täterprofile und politische Kritik
Eine im Bericht enthaltene Studie zeigt, dass viele Täter als Einzeltäter handeln und keiner festen Organisation angehören. Sie stammen häufig aus zwei gegensätzlichen ideologischen Lagern: rechtsextreme Anhänger einer sogenannten „weißen Vorherrschaft“ sowie radikale Muslime. Auffällig ist zudem ein hoher Anteil sozial marginalisierter Täter, die oft aus prekären Verhältnissen kommen.
Die Autoren des Berichts üben auch deutliche Kritik an der israelischen Regierung. Diese habe keinen wirksamen Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus geleistet und durch eine politische Ausweitung des Begriffs „Antisemitismus“ dessen Bedeutung verwässert. Dies schade letztlich dem internationalen Kampf gegen Judenhass und erschwere koordinierte Gegenmaßnahmen.
Alarmierende Entwicklung in Australien und Kanada
Besonders besorgniserregend ist laut dem Bericht die Entwicklung in Australien und Kanada, wo neue Höchststände antisemitischer Vorfälle registriert wurden. Die Forscher warnen davor, dass kleinere Delikte zu oft nicht konsequent verfolgt werden – mit der Folge, dass schwerere Verbrechen zunehmen. Ein Grund für die Eskalation könnte sein, dass die Strafverfolgungsbehörden in vielen Ländern nicht ausreichend auf die neue Qualität der Bedrohung vorbereitet sind.
Der Bericht der Universität Tel Aviv stellt eine wichtige Grundlage für die weitere Diskussion über Maßnahmen gegen Antisemitismus dar. Die Forscher betonen die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit und konsequenter Strafverfolgung, um die besorgniserregende Entwicklung zu stoppen und jüdisches Leben weltweit besser zu schützen.



