Brutale Attacke auf Obdachlosen in Malchin: Zweifache Mutter vor Gericht
Knapp ein Jahr nach einer schweren Gewalttat in Malchin in der Mecklenburgischen Seenplatte steht eine 23-jährige Frau vor Gericht. Sie wird beschuldigt, zwei Jugendliche zu einem brutalen Überfall auf einen obdachlosen Mann angestiftet zu haben. Der Prozess am Amtsgericht Neubrandenburg wirft ein grelles Licht auf ein tragisches Ereignis, das sich im Mai 2025 ereignete.
Die Anklagepunkte im Detail
Die Angeklagte, eine polizeibekannte Malchinerin, sieht sich einer Reihe schwerwiegender Vorwürfe gegenüber. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr unter anderem Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung vor. Darüber hinaus muss sie sich wegen Angriffs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. Weitere Anklagepunkte umfassen mehrfaches Autofahren ohne Führerschein und ohne Pflichtversicherung. Zudem soll sie TÜV-Plaketten an Kennzeichen gefälscht und illegale Drogen besessen haben.
Zum Auftakt des Prozesses vor Richterin Tanja Krüske schwieg die zweifache Mutter zu allen Vorwürfen. Ihre Verteidigung hat sich bislang nicht zu den Anschuldigungen geäußert, während die Beweisaufnahme bereits begonnen hat.
Der brutale Überfall am Himmelfahrtswochenende
Die Tat ereignete sich am Himmelfahrtswochenende Ende Mai 2025 am Malchiner Hafen. Zwei Jugendliche im Alter von 17 und 18 Jahren drangen in das Notquartier eines 45-jährigen obdachlosen Mannes ein. Sie attackierten ihn mit einem Baseballschläger und einem Bajonettmesser. Das Opfer erlitt zahlreiche Prellungen, Wunden und eine schwere Schnittverletzung am Oberschenkel, die eine Notoperation erforderlich machte.
„Der Mann hat damals selbst noch die Polizei gerufen, er sah sehr schlimm zugerichtet aus“, schilderte ein Polizeizeuge im Gerichtssaal. Die Bilder, die Richterin Krüske den Prozessbeteiligten zeigte, waren erschütternd: ein stark geschwollenes Gesicht mit blutigen Wunden und die tiefe Messerwunde, die zu erheblichem Blutverlust führte.
Die Rolle der Angeklagten und die Motive
Nach Aussagen eines der bereits verurteilten Jugendlichen soll die Angeklagte eine zentrale Rolle bei der Tat gespielt haben. „Wir haben bei der Angeklagten damals Alkohol getrunken, dann kam die Sprache darauf, dass der 18-Jährige von dem Obdachlosen verprügelt worden sein soll“, erinnerte sich der 17-Jährige. Angeblich handelte es sich um einen Racheakt, nachdem der Obdachlose dem 18-Jährigen und der Frau zuvor eine Geldbörse entwendet haben soll.
Die Angeklagte habe dann die Waffen besorgt und die Jugendlichen zum Tatort begleitet. Sie klopfte an die Tür des Notquartiers und rief den Namen des späteren Opfers. Als dieser öffnete, schlugen die Jugendlichen sofort zu. Nach der Tat kehrte das Trio zur Wohnung der Frau zurück, wo sie „das Ganze feierten“.
Bereits ergangene Urteile gegen die Jugendlichen
Die beiden jugendlichen Komplizen wurden in einem gesonderten Verfahren bereits verurteilt. Der 17-Jährige erhielt eine Jugendhaftstrafe von zwei Jahren, die rechtskräftig ist. Der 18-Jährige wurde zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt, hat jedoch Berufung eingelegt und befindet sich weiter in Untersuchungshaft. Beide wurden wegen gefährlicher Körperverletzung und anderer Delikte verurteilt.
Im aktuellen Prozess gegen die 23-Jährige zeigte sich der jüngere Schläger redselig, während der 18-Jährige von seinem Schweigerecht Gebrauch machte, da sein Urteil noch nicht rechtskräftig ist.
Weitere Vorwürfe und der weitere Prozessverlauf
Neben der Anstiftung zur Gewalttat lasten der Angeklagten weitere Straftaten aus dem Zeitraum März bis Juni 2025 an. Sie soll mehrfach ohne Führerschein und Versicherungsschutz in Malchin Auto gefahren sein. Bei einer Polizeikontrolle im April 2025 soll sie sich gewaltsam gewehrt haben, als Beamte sie aus einem Streifenwagen bringen wollten. Laut Anklage trat sie nach einer Polizistin und beschimpfte die Beamten mit schweren Beleidigungen.
Der Prozess wird am 28. April fortgesetzt. Der Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe, die nicht ihre erste Verurteilung wäre. Die Ermittlungen haben gezeigt, dass alle Beteiligten aus demselben sozialen Milieu stammen, was die Tragödie zusätzlich erschütternd macht.



