Bankeinbrüche in Niedersachsen: Polizei ermittelt zu möglichen Serientätern
Nach den jüngsten Einbrüchen bei Banken in Wilhelmshaven und Stuhr im Landkreis Diepholz wächst die Verunsicherung bei Kunden und Banken gleichermaßen. Die Polizei in Niedersachsen hat eine Ermittlungsgruppe eingesetzt, die dem Verdacht auf Serientäter nachgeht. „Die Kollegen klopfen mögliche Verbindungen zwischen den Fällen sorgfältig ab“, erklärte ein Polizeisprecher. Auch Zusammenhänge zu weiteren Einbrüchen werden derzeit intensiv überprüft.
Professionelle Täter knacken Schließfächer
Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei den Tätern um professionelle Einbrecher handelt. Sie verschafften sich in beiden Fällen innerhalb kürzester Zeit Zugang zu den Tresorräumen der Bankfilialen und brachen insgesamt 32 Schließfächer auf – 18 in Wilhelmshaven und 14 in Stuhr. Zeugen beobachteten drei Männer, von denen bisher jedoch jede Spur fehlt. Die betroffenen Kunden bangen nun um ihre eingelagerten Wertsachen.
Sicherheit von Bankschließfächern im Fokus
Die jüngsten Vorfälle werfen die grundsätzliche Frage auf: Wie sicher sind Wertsachen in einem Schließfach bei der Bank tatsächlich gelagert? Philipp Rehberg von der Verbraucherzentrale Niedersachsen zeigt sich nach den Einbrüchen etwas zurückhaltender, betont aber: „Schließfächer bleiben eine grundsätzlich sichere Aufbewahrungsform für Wertgegenstände.“
Die Banken selbst verteidigen ihre Sicherheitsstandards. „Bankschließfächer zählen weiterhin zu den sichersten Aufbewahrungsorten“, betont etwa die Sparkasse. Die Fächer befinden sich demnach in speziell gesicherten Tresorräumen oder Wertschutzschränken, die baulich, technisch und organisatorisch geschützt sind. Dennoch räumen die Institute ein: „Einbrüche in Banktresore sind zwar sehr selten, aber nicht ausgeschlossen.“
Banken überprüfen Sicherheitskonzepte
Die betroffenen Banken in Niedersachsen haben angekündigt, ihre Sicherheitskonzepte zu überprüfen. Eine Sprecherin der Volksbank in Stuhr teilte mit: „Vor dem Hintergrund dieses Einbruchs werden wir unsere regelmäßige Überprüfung zeitlich vorziehen und sorgfältig analysieren, ob zusätzliche Anpassungen sinnvoll sind.“ Das bisherige Konzept entspreche zwar den üblichen Standards, doch die Vorfälle zeigen mögliche Schwachstellen auf.
Sowohl die Verbraucherzentrale als auch der Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft gehen davon aus, dass nach den jüngsten Einbrüchen auch andere Bankfilialen ihre Sicherheitsvorkehrungen nachschärfen werden.
Praktische Tipps für Schließfachbesitzer
Für Besitzer von Schließfächern oder Interessenten, die eines anmieten möchten, gibt Philipp Rehberg konkrete Empfehlungen:
- Informieren Sie sich über die Lage der Schließfächer: Befinden sie sich in einem gesonderten Tresorraum mit verschlossener Stahltür?
- Erkundigen Sie sich nach Sicherheitsvorkehrungen: Welche Alarmsysteme und Zugangskontrollen sind installiert?
- Dokumentieren Sie den Inhalt regelmäßig: Fotografieren Sie bei jedem Öffnen die Wertsachen oder nehmen Sie eine vertrauenswürdige Person als Zeugin mit.
- Bewahren Sie Kaufbelege getrennt auf: Bei wertvollen Gegenständen können Echtheitszertifikate oder Wertgutachten sinnvoll sein.
Versicherungsschutz für Schließfachinhalte
Ein kritischer Punkt ist die Versicherung der eingelagerten Wertsachen. „Viele Dinge sind nicht versicherbar, weil sie lediglich immateriellen Wert haben“, erklärt Rehberg. Anders verhält es sich bei Gold, Münzen, Schmuck oder Uhren. Doch Vorsicht: Wertsachen in einem Bank-Schließfach sind nicht automatisch versichert. Entscheidend sind die individuellen Vertragsregelungen.
Die Volksbank in Stuhr informierte ihre Kunden erst wenige Wochen vor dem Einbruch, dass sie ihre Wertsachen künftig selbst versichern müssten. Wie viele Kunden daraufhin tätig wurden, gibt die Bank aus Gründen des Bankgeheimnisses und Datenschutzes nicht bekannt.
Falls die Wertsachen über die Bank nicht abgesichert sind, können Kunden eine Hausrat- oder spezielle Schließfachversicherung abschließen. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät: „Eine Versicherung ist sinnvoll, wenn das Abhandenkommen einen erheblichen wirtschaftlichen Verlust darstellen würde und vorhandene Rücklagen nicht für Ersatz ausreichen.“ Versicherungsexperten empfehlen zudem, den Versicherungsschutz regelmäßig zu überprüfen – besonders bei Gold, Uhren oder Sammlerstücken mit schwankendem Marktwert.
Alternativen zum Bankschließfach
Für verunsicherte Kunden gibt es verschiedene Alternativen. Philipp Rehberg empfiehlt: „Vergleichen ist sinnvoll. Es gibt auch spezielle, bankenunabhängige Schließfachanbieter mit unterschiedlichen Sicherheitskonzepten.“
Von der Idee, das Schließfach aus Sorge zu leeren und die Wertgegenstände stattdessen unverschlossen zu Hause zu lagern, rät der Experte jedoch ab: „Es ist sicher nicht ratsam, Wertsachen zu Hause zu lagern, wenn in der eigenen Wohngegend oft eingebrochen wird.“ Erfahrene Einbrecher kennen typische Verstecke und suchen gezielt danach.
Eine mögliche Alternative ist ein eigener Tresor, der jedoch fest in Wand oder Boden verankert sein muss, um Diebstahl zu verhindern. Diese Lösung ist allerdings mit erheblichen Kosten verbunden und bietet nicht zwangsläufig den gleichen Schutz wie professionell gesicherte Banktresore.



